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Endlich Frieden in Kolumbien!?

Von Dr. Barbara Ramsperger am 26.08.2016 - 17:20
Dr. Barbara RamspergerReferentin Finanzielle Förderung Ecuador und Kolumbien

Szene im Zentrum von Medellin: Ein Hungriger wühlt in der Fußgängerzone im Müll.
Die Menschen in Kolumbien hoffen auf Frieden. Die sozialen Probleme bleiben vorerst ungelöst.

Mit der Einigung auf das Friedensabkommen zwischen der Kolumbianischen Regierung von Präsident Juan Manuel Santos und den Revolutionären Streitkräften (FARC) kann der älteste und längste gewaltsame Konflikt in Lateinamerika zu Ende gehen. Die Verhandlungspartner haben sich nach mühsamen und immer wieder stockenden Verhandlungen, die sich über vier Jahre hinzogen, am 24. August auf das Friedensabkommen geeinigt. Es ist ein großartiger Tag für Kolumbien, ein historischer Moment für die ganze Welt und eine einzigartige Chance für die über acht Millionen Opfer des Krieges auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung.

Der Weg zum Frieden ist aber noch nicht zu Ende. Die nächste große Hürde ist die Volksabstimmung am 2. Oktober, bei der die Kolumbianerinnen und Kolumbianer über ein Ja oder ein Nein zum Friedensabkommen abstimmen können. Das Land ist tief gespalten, und es ist beileibe nicht garantiert, dass die Mehrheit für das Friedensabkommen stimmt. Der konservative Ex-Präsident Álvaro Uribe und die ihm nahe stehende Partei Centro Democrático machen bereits Stimmung für ein Nein zum Abkommen.

Viele Probleme sind noch ungelöst

Einige für viele Menschen strittige und offene Punkte sind zum Beispiel die zukünftige politische Rolle der FARC-Guerilla und ihre Reintegration in die Gesellschaft oder die vorgesehenen, eher milden Strafen bis hin zu Straflosigkeit für begangene Menschenrechtsverletzungen. Weitere Punkte können das Land auch in Zukunft destabilisieren: die große soziale Ungleichheit besteht nach wie vor und das Erstarken (neo)paramilitärischer und krimineller Gruppen sowie Drogenanbau und Drogenhandel mit dem damit verbundenen Gewaltpotenzial bleiben riesige Herausforderungen. Auch der Streit um Land und um den Abbau von Bodenschätzen mit der dadurch verursachten Umweltzerstörung sind ungelöst. Dass die Verhandlungen mit der zweiten Guerillagruppe Kolumbiens, der ELN, ausgesetzt sind, bildet ein weiteres Konfliktpotential. Außerdem ist noch unklar, wie die Umsetzung des Friedensabkommens finanziert und wie das vorhandene Machtvakuum in den bisher von der FARC kontrollierten Gebieten gefüllt werden soll.

Brot für die Welt begleitet Friedensprozess

Partnerorganisationen von Brot für die Welt, die zu Menschenrechtsthemen, zu Frieden und gewaltfreier Konfliktbearbeitung oder zu Demokratie und Bürgerbeteiligung arbeiten, hoffen darauf, dass das positive Momentum andauert und dass sie zu einem gerechten und dauerhaften Frieden beitragen können. Partner wie JUSTAPAZ, CINEP, VIVA la ciudadanía, CJLIBERTAD, FORO oder CCEEU sind aktiv in den Friedensprozess eingebunden. Sie sind auch bereits dabei, durch Informations- und Aufklärungskampagnen gemeinsam dazu beizutragen, dass die kolumbianische Bevölkerung mehrheitlich das Abkommen befürwortet.

Wird das Friedensabkommen unterzeichnet und von der Bevölkerung akzeptiert, sind sie als wichtige zivilgesellschaftliche Akteure weiter gefordert, einen Beitrag zu einer gerechten und fairen Umsetzung der Vereinbarungen, wie zum Beispiel zur ländlichen Entwicklung, zu leisten, damit die Menschen eine dauerhafte Lebensgrundlage finden. „Es ist nicht nur die Gelegenheit, die bewaffnete Auseinandersetzung um Visionen und Ideen auf politischer Ebene auszutragen, sondern bietet auch die Chance, dass sich die seit Jahrzehnten von politischer Teilhabe ausgeschlossene Bevölkerung der Konfliktregionen endlich auf friedliche und demokratische Weise in die Bildung ihres Staates und die Entwicklung ihrer Regionen einbringen können“, bekräftigt die Partnerorganisation CINEP.

Claudia Warning, Vorstandsmitglied von Brot für die Welt, will den Friedensprozess auch in Zukunft unterstützen: „Wir werden der kolumbianischen Zivilgesellschaft weiterhin bei ihrem Engagement für Frieden und Versöhnung zur Seite zu stehen. Wir hoffen, dass die Bundesregierung und die EU den Friedensprozess unterstützen und dabei die Anliegen der Zivilgesellschaft zentral berücksichtigen. Diese Unterstützung muss langfristig angelegt sein, denn es wird Jahre dauern, Ursachen und Folgen des bewaffneten Konflikts zu überwinden“.

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