Blog-Beitrag

Mangelernährung ist weiblich

Von Carsta Neuenroth am 07.10.2015 - 12:12
Carsta NeuenrothReferentin Gender
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Jeder zwölfte Mensch ist ein mangelernährter Mann oder Junge, jeder fünfte eine  mangelernährte Frau oder ein Mädchen. Mehr als zwei Milliarden Menschen leiden weltweit an Mangelernährung, auch als „Stiller Hunger“ oder „Versteckter Hunger“ bezeichnet.

Frauen hungern anders

Unter dem Motto „Satt ist nicht genug – Zukunft braucht gesunde Ernährung“ setzt sich Brot für die Welt mit dem Thema Mangelernährung auseinander und hat dazu den Report „Frauen hungern anders – Geschlechtergerechtigkeit hilft gegen Stillen Hunger“ pünktlich vor dem Welternährungstag am 16. Oktober veröffentlicht.

Das bedeutet Mangelernährung...

Mangelernährung entsteht, wenn essenzielle Mikronährstoffe wie beispielsweise Eisen, Jod und Vitamin A, die für eine gesunde Ernährung unerlässlich sind, in der täglichen Nahrung nicht ausreichend vorhanden sind. Mikronährstoffreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch sind teuer und für arme Menschen kaum erschwinglich. Die Folgen sind schwerwiegend, denn Mikronährstoffmangel führt zu eingeschränkter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit und hoher Krankheitsanfälligkeit.

Harte Arbeit und fehlende Nährstoffe

Der Report weißt darauf hin, dass Frauen in besonderer Weise von Mangelernährung betroffen sind. Wie häufig sie  beispielsweise unter Eisenmangel leiden, zeigen die hohen Anämie-Raten in zahlreichen Ländern. Viele Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern leisten außerdem in der Landwirtschaft und im Haushalt schwere körperliche Arbeit und haben deshalb sowohl einen hohen Makro- als auch Mikronährstoffbedarf, der oft nicht ausreichend gedeckt werden kann. Frauen sind in der Regel auch verantwortlich für die Ernährung ihrer Kinder und anderen Angehörigen, aber oft aus einer Situation der Armut und der geschlechterbedingten Benachteiligung heraus, die in Mangelernährung für die ganze Familie resultieren kann.

Die Macht der Männer

Dieselben Faktoren, die bewirken, dass Frauen stärker als Männer von Hunger und Armut betroffen sind, führen auch zu einer stärkeren Betroffenheit bei „Stillem Hunger“. Patriarchale Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen wirken in den meisten Ländern auf eine Weise, die Frauen den gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, Land und anderen Produktionsmitteln verwehrt. Frauen und Mädchen sind außerdem häufig häuslicher Gewalt ausgesetzt, die sie krank macht und ihre Integrität bedroht. Unter diesen Bedingungen haben Frauen weder als Landwirtinnen noch als Teilnehmerinnen auf dem Arbeitsmarkt die Chancen, die sie benötigen, um sich und ihre Familien ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Entwicklungspolitik muss sich dafür einsetzten, die Armut von Frauen wirksam bekämpfen und ihre Rechte auf Bildung, Arbeit und Gesundheit stärken, sodass sie die Voraussetzungen haben, die sie brauchen, um sich und ihre Familien gesund ernähren zu können.

Podcast zum Thema "Satt ist nicht genug"

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