Blog-Beitrag

Den Worten müssen Taten folgen

Von Jürgen Bergmann am 02.07.2012 - 14:29
Jürgen Bergmann

Gastbeitrag von Ines Denzler: Dr. Jürgen Bergmann erzählte vom Klimagipfel in Rio

Als Mitglied der Beobachterdelegation des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) hatte Jürgen Bergmann, Abteilungsleiter für „Entwicklung und Politik“ bei Mission EineWelt, die Gelegenheit, sowohl beim öffentlichen Teil des UN-Gipfels als auch beim parallel stattfindenden zivilgesellschaftlichen „Peoples’ Summit“ (Gipfel der Völker) dabei zu sein, auf dem beispielsweise der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff und Vandana Shiva, die indische Trägerin des alternativen Nobelpreises, sprachen. Am 28. Juni berichtete er beim Erzählcafé im Lorenzer Laden in Nürnberg von seinen ganz persönlichen Eindrücken des Rio+20-Gipfels.

Anschaulich beschrieb Bergmann sowohl die zwischen Frustration und Hoffnung schwankende Stimmung vor dem Gipfel als auch die erste Resignation nach Bekanntgabe des Abschlussdokuments, das nicht über einen Minimalkonsens hinausgehe: „Fahren wir jetzt heim oder legen uns an den Strand?“, sei die erste Reaktion der Delegation nach dem Briefing durch die deutschen Regierungsvertreter. Besonders empörend sei dabei der ausdrückliche Hinweis auf die Beteiligung der Zivilgesellschaft in dem Dokument, das bereits vor Beginn des eigentlichen Gipfels hinter verschlossenen Türen ausgehandelt worden sei. Deutlich sei auch gewesen, dass der offizielle Gipfel vor allem auf eine „Einigung um jeden Preis“ aus gewesen sei.

Trotzdem dürfe man auch die positiven Aspekte des Gipfels nicht übersehen, so Bergmann. Das Dokument stelle einen brauchbaren Ausgangspunkt dar, wenn auch ohne eine echte Veränderung zu initiieren. Aus diesem Grund schloss sich Bergmann dem Fazit des bayerischen evangelischen Landesbischofs, Heinrich Bedford-Strohm, an: „Jetzt erst recht!“

Aus Bergmanns Sicht müsse die Zivilgesellschaft dafür arbeiten, dass aus dem Abschlussdokument von Rio ein echter Wandel erwächst und aus den schönen Worten gute Taten werden. Dabei sei auch eine gleichberechtigte Einbeziehung der Entwicklungsländer nötig. Deren Vertreter haben – zu Bergmanns Überraschung – das Abschlussdokument relativ positiv bewertet, da es keine von den Industriestaaten diktierte Vereinbarung darstellt. Diese Einschätzung mache laut Bergmann deutlich, wie sich diese Menschen in den letzten Jahrzehnten übergangen gefühlt haben müssen und wie viel Misstrauen sie in der Folge gegenüber den Industriestaaten aufgebaut haben.

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