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4 Jahre Suche nach den 43 Verschwundenen

Vier Jahre nach dem Verschwindenlassen der 43 Studenten der Hochschule von Ayotzinapa geben die Familienangehörigen ihre Suche nicht auf. Der Fall zieht seine Spuren bis nach Deutschland: vor dem Landgericht Stuttgart wird über den illegalen Export von deutschen G36-Gewehren nach Mexiko verhandelt.
Von Melanie Bleil am 20.09.2018 - 17:34
Melanie BleilProjektbearbeiterin für Menschenrechte und Frieden
+49 (0)30 65211 1408E-Mail: melanie.bleil@brot-fuer-die-welt.de

Plakate vor der Generalstaatsanwaltschaft in Mexiko-Stadt
Plakate zur Suche nach den 43 verschwundenen Studenten von Ayotzinapa vor der Generalstaatsanwaltschaft

Mit der Kampagne „Ayotzinapa. Die Hoffnung liegt in der Wahrheit“ machen Partnerorganisationen von Brot für die Welt und andere auf das Verschwindenlassen aufmerksam. Nach vier Jahren liegt der Fokus der Familienangehörigen auf dem Recht nach Wahrheit und auf der Suche nach den 43 Studenten. Bis heute ist unklar, was mit den Lehramtsanwärtern passiert ist. Die mexikanische Regierung stützt sich immer wieder auf die sogenannte „Historische Wahrheit“, nach der die Studenten ermordet und anschließend auf einer Müllhalde verbrannt worden seien. Jedoch sprechen die Ermittlungen der Unabhängigen Gruppe interdisziplinärer Experten und andere wissenschaftliche Beweise gegen diese Version. In seiner letzten Regierungserklärung am 29.August 2018 nahm der scheidende Präsident Enrique Peña Nieto erneut Bezug auf diese Version des Tathergangs und lobte die Ermittlungen der Generalsstaatsanwaltschaft. Ein mexikanisches Gericht hatte jedoch bereits im Juni 2018 festgestellt, dass die Ermittlungen weder schnell, noch effektiv, unabhängig noch unbefangen seien. Ein starkes Indiz dafür ist die Folter von Zeugen um Aussagen, die die „historische Wahrheit“ stützen, zu bekommen. Offen bleibt die Frage, was die mexikanische Regierung damit gewinnt, die Aufklärung des Falls zu vermeiden. Denn auch der Einsatz einer Wahrheitskommission wird von ihr verweigert.

Prozess gegen deutschen Waffenhersteller

Zeitgleich befasst sich das Landgericht Stuttgart am 26. September 2018 mit Heckler & Koch aufgrund des Einsatzes seiner G36-Gewehre während des Übergriffs auf die Studenten in Guerrero. Auch am Jahrestag des Übergriffs durch mexikanische Polizeieinheiten wird in Stuttgart weiter darüber verhandelt, ob Heckler & Koch gegen das Außenwirtschaftsgesetz, das Kriegswaffenkontrollgesetz und den Strafbestand der Bestechung verstoßen hat. Die G36-Gewehre hätten laut Endverbleibserklärung nie in den Bundesstaat Guerrero gelangen dürfen. Vor Gericht stehen deswegen fünf Mitarbeitende des schwäbischen Waffenherstellers. Ein Kronzeuge sagte aus, dass das Unternehmen durchaus gewusst habe, dass der Export in vier mexikanische Bundesstaaten illegal war. Die Kontrolle deutscher Rüstungsexporte durch die entsprechenden Ministerien wird zwar nicht gerichtlich untersucht, dennoch scheint ein Gesetz hinsichtlich dessen auch im Bundestag immer größeren Zuspruch zu bekommen.

Erinnerung an Ayotzinapa in Deutschland

Partnerorganisationen von Brot für die Welt begleiten den Fall Ayotzinapa eng. Zum Jahrestag finden auch in Deutschland Veranstaltungen statt: Eine Anwältin des Menschenrechtszentrums „Miguel Augustín Pro Juárez“ kommt in Begleitung eines Familienangehörigen, dessen Bruder seit der Nacht vom 26. September 2014 im Koma liegt. Sehr wahrscheinlich wurde der junge Student mit einer Kugel aus einem Heckler & Koch-Gewehr angeschossen. In Stuttgart und Berlin berichten die beiden über den langen Kampf nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Zusammen mit dem ECCHR, Aktion Aufschrei!, der Deutschen  Menschenrechtskoordination Mexiko und unserer mexikanischen Partnerorganisation Menschenrechtszentrums „Miguel Augustín Pro Juárez“ veröffentlichte Brot für die Welt eine Pressemitteilung am 25.09.2018 zu den aktuellen Ereignissen.

 

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