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Alle Frauen mitnehmen!

Die Interessen und Sorgen der meisten Frauen dieser Welt werden beim zivilgesellschaftliche Gipfel der Frauenverbände (W20) im Rahmen der G20 übersehen.
Von Carsta Neuenroth am 26.04.2017 - 10:30
Carsta NeuenrothReferentin für Gender
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Vom 24. - 26. April findet der zivilgesellschaftliche Gipfel der Frauenverbände, der Women20-Summit (W20) im Rahmen der G20 in Berlin statt. Die deutsche G20 Präsidentschaft hat die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und Mädchen als Thema auf die Agenda gesetzt. Das begrüßen wir bei Brot für die Welt. Wir sind jedoch enttäuscht, dass der W20-Gipfel das Thema auf eine Art und Weise aufgreift, die an den Interessen und Sorgen der meisten Frauen dieser Welt vorbei geht.

Im Mittelpunkt des Gipfels stehen erfolgreiche Frauen und Unternehmerinnen. Auf Einladung der Kanzlerin hat sich auch Ivanka Trump eingefunden, die ja nicht unbedingt für ihr Engagement für Frauenrechte bekannt  ist. Es geht beim Gipfel dann leider auch eher um Wirtschaftsförderung als um Menschenrechte.

Weltweit hat die Situation, besonders von armen Frauen und Mädchen, absolut nichts mit der Welt einer Ivanka Trump zu tun. So gehören benachteiligte Frauen zu denen, die nur selten im formellen Sektor Beschäftigung finden, auch weil sie ihr Recht auf Bildung oft nicht realisieren können. Sie sind deshalb stärker als Männer auf den informellen Sektor angewiesen und finden oftmals nur als Kleinhändlerinnen und Straßenverkäuferinnen oder als Haushaltshilfen und Kindermädchen Arbeit. Ihre Einkommen sind gering, aber unverzichtbar für das Überleben der Familien. Immer mehr Haushalte in Lateinamerika, Subsahara-Afrika und vielen Ländern Asiens sind von dem Einkommen abhängig, welches Frauen und Mädchen erwirtschaften.

Frauen sind häufig gezwungen, unter ungünstigsten Bedingungen zu arbeiten und sich gleichzeitig um Kinder und Haushalt zu kümmern, denn die unbezahlte Haus- und Sorgearbeit ist nach wie vor Frauensache. Auf dem Land nehmen Mütter ihre Kinder häufig mit auf die Felder, wenn sie in der Landwirtschaft arbeiten. Im urbanen Kontext ist es Frauen in der Regel nicht möglich bei der Arbeit, in der Nähe der Kinder zu sein. Die häusliche Situation hindern Frauen meistens daran, ihre Position auf dem Arbeitsmarkt, z.B. durch Qualifizierung zu verbessern.

Obwohl sehr viele Frauen bereits von früh bis spät arbeiten, um ihre Familien zu versorgen und Einkommen zu erwirtschaften, leiden sie trotzdem permanent unter Zeitmangel. Dieser Teufelskreis ist kaum zu durchbrechen, solange die Haus- und Sorgearbeit vorwiegend auf den Schultern von Frauen und Mädchen lastet und gesellschaftlich nicht anerkannt, umverteilt und in Wert gesetzt wird.

So erfolgt die Durchführung wirtschaftlicher Aktivitäten meistens auf Kosten der Erholungs- und Ruhezeiten von Frauen. Die chronische ‚Zeitarmut‘ (time poverty), unter der Frauen leiden, muss viel stärker berücksichtigt werden, wenn Entwicklungs- oder Wirtschaftsfachleute Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen und Mädchen planen und erfolgreich umsetzen wollen.

Entsprechend bedeutet die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und Mädchen viel mehr, als Arbeit zu haben und eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Das führt nämlich nicht automatisch zu Ermächtigung. Um die geht es jedoch. Frauen und Mädchen benötigen politische Teilhabe und die Macht zu handeln und zu entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten wollen.

Bei Brot für die Welt hätten wir uns deshalb gewünscht, dass sich der W20-Gipfel stärker am Motto der Agenda 2030 „leave no one behind“ orientiert hätte.

 

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