Blog-Beitrag

Dürre und Hunger in Teilen Afrikas

Von Martin Größ-Bickel am 09.05.2016 - 10:59
Martin Größ-BickelLeiter des Referates Ostafrika und Horn von Afrika

UN-OCHA nennt im März annähernd 19,5 Millionen Menschen im östlichen Afrika, deren Ernährungsunsicherheit ein kritisches beziheungsweise Notstandsniveau erreicht hat. Die Notsituation im südlichen Afrika findet noch weniger Beachtung. Hier gelten 30 Millionen Menschen als ernährungsunsicher. Malawi hat Ende April aufgrund der Dürre den Notstand ausgerufen.

Bedrohliche Situation in Äthiopien

In Äthiopien haben zwei aufeinanderfolgende schwache Regenzeiten mit weniger als 50 Prozent der sonstigen durchschnittlichen Niederschlagsmengen die Erträge sinken lassen. Die Verluste betragen in einigen Gebieten 50 bis 90 Prozent. Viele Familien haben sich verschuldet, weil sie Nahrungsmittel zukaufen müssen. Hohe Lebensmittelpreise und sinkende Kaufkraft lassen die Menschen ihr Saatgut aufessen. Fast 1,7 Millionen Haushalte haben kein Saatgut mehr, doppelt so viele wie im Januar. Zehn Millionen Menschen brauchen Nothilfe, über 5 Mio. Menschen müssen mit Wasser versorgt werden. Mittlerweile sind mehr als ein Drittel der Distrikte als ernährungsunsicher eingestuft. Fast 550.000 Menschen haben wegen Dürre, Überschwemmungen und Konflikte um knappe Ressourcen ihre Wohngebieten verlassen. Das Erkranken und Sterben des Viehs hat die Versorgung mit Fleisch und Milch zusammenbrechen lassen. Rund 650.000 Viehhalter-Haushalte brauchen Hilfe in Form von Viehfutter. Trotz der Anstrengungen von Regierungen und NGOs bleibt die Situation besorgniserregend. Die vor allem für den Norden und Nordosten wichtigen Frühjahrsregen (belg rains) haben spät eingesetzt, die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Lokale schwere Regenfälle haben in verschiedenen Regionen auch Überschwemmungen verursacht, mit mindestens 15 Toten.

Wie die Schwesterorganisation Diakonie Katastrophenhilfe hilft

Die Diakonie Katstrophenhilfe unterstützt in der am schwersten betroffenen Region Afar die Versorgung von mangelernährten Kindern, Schwangeren und Stillenden durch das Entwicklungsbüro der Mekane-Yesus-Kirche, und in der Region Amhara die Notversorgung tausender bedürftiger Haushalte mit Wasser durch das Büro der orthodoxen KircheEthiopian Orthodox Church Development and Inter Church Aid Commission (EOC-DICAC), beides Partner der Diakonie Katastrophenhifle und Brot für die Welt.

Nothilfe ist jetzt unumgänglich, aber das heißt nicht, dass die Entwicklungsprojekte eingestellt werden, beziehungsweise keine Rolle mehr hätten. Auch hier wird reagiert. Natürlich vermindert die Notlage die Bereitschaft und Zeit der Menschen zur Mitarbeit, gerade bei arbeitsintensiven Maßnahmen wie Erosionsschutz, Aufforstung oder Bewässerung. Vor allem junge Männer gehen zur Arbeitssuche in die Städte oder machen sich mit dem Vieh auf die Suche nach Weideplätzen. Dazu drängen die Behörden die Partnerorganisationen, ihre Mittel und Mitarbeiterschaft für Nothilfe einzusetzen, in- und außerhalb von Projektregionen. Deshalb sind Anpassungen in den Programmen nötig. Manche geplante Maßnahmen werden ausgesetzt, andere intensiviert, zum Beispiel die Sicherung von Wasserquellen oder die Produktion von Viehfutter. Auch das für Entwicklungsprojekte maßgeblichen Prinzip, keine unentgeltlichen Handouts zu vergeben, kann ausgesetzt werden, um Wasser oder Saatgut bereitzustellen. Die Partnerorganisationen besprechen mit unserer Verbindungsstelle in Addis Abeba die mögliche Umwidmung von Projektmitteln oder zusätzliche Mittel für Nothilfemaßnahmen, im Rahmen unseres Entwicklungsmandats.

Langfristige Koopertaionen mit Partner vor Ort zeichnen Hilfe aus

Es ist ein gemeinsames Ziel von Humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, die Katastrophenanfälligkeit der lokalen Bevölkerung zu vermindern, auf Grundlage des Prinzips der Selbsthilfestärkung, das heißt die Menschen dazu befähigen, sich selbst zu helfen beziehungsweise sich selbst Hilfe zu organisieren. Ansätze zur Krisenprävention werden von Brot für die Welt wie auch von vielen anderen Hilfswerken schon seit langem gefördert, da Krisen und Katastrophen eher die Regel als die Ausnahme sind. Wir arbeiten seit Jahren mit afrikanischen Partnern in rund 170 langfristig angelegten Ernährungssicherheitsprogrammen, die in vielen Fällen gezielt die Fähigkeit der lokalen Gemeinschaften stärken, von katastrophalen Wetterereignissen weniger stark betroffen zu werden. Krisen sind für die Menschen nichts neues, es ist wichtig aus ihren traditionellen Erfahrungen und Handlungsmustern zu lernen, darauf aufzubauen und diese zu stärken, da sie extremen Situationen und der Entwicklung des Klimawandels meist nicht gewachsen sind.

Afrika muss sich auf Klimaveränderungen einstellen

Das tatsächliche Ausmaß der von El Nino bedingten Hungerkrisen wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen. Weitere Ernteausfälle drohen, während  die Nahrungsmittelpuffer in den einzelnen Haushalten und von den Regierungen aufgebraucht werden. Für viele Menschen steht das Schlimmste erst noch im Laufe des Jahres 2016 und 2017 bevor. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass La Niña, die Abkühlungsphase, folgt, mit noch größeren humanitären Auswirkungen, da die Fähigkeiten damit umzugehen aufgezehrt sind. Solche dramatischen Katastrophen werden Afrika immer öfter treffen. Daher muss verstärkt in Anpassungsmaßnahmen investiert werden. Nötig sind weiterhin langfristig angelegte Entwicklungsprogramme zur Stärkung der Fähigkeit lokaler Gemeinschaften, Krisen und Katastrophen zu bewältigen und sich an sich  verändernde Risikobedingungen anzupassen. Dies muss komplementär zur Stärkung der Kapazitäten lokaler Behörden geschehen, als Aufgabe der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit.

Austausch mit anderen Hilfswerken

Brot für die Welt tauscht sich zum Beispiel  beim „Fachgespräch El Niño“ des Bündnis Entwicklung Hilft mit den Bündnismitglieder Christoffel Blindenmission, Kindernothilfe, Misereor uund der Welthungerhilfe über die Hungerkrise in großen Teilen Afrikas aus, informiert und diskutiert. Nach wie vor ist das mediale Interesse dürftig, während trotz langsam zunehmender Hilfszusagen die Not vor allem am Horn von Afrika und im südöstlichen Afrika unvermindert groß ist.

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