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EKD-Synode: Lesebuch für Gerechtigkeit und Frieden

Zur Synode 2019 hat das Kirchenamt der EKD ein "friedenstheologisches Lesebuch" veröffentlicht. Darin kommen TheologInnen, ExpertInnen aus kirchlichen Hilfswerken und Friedensarbeit zu Wort. Es bietet reichhaltige Information, praktische Einblicke und Orientierung zu drängenden politischen Fragen.
Von Dr. Martina Fischer am 31.10.2019 - 14:48
Dr. Martina FischerReferentin für Frieden und Konfliktbearbeitung
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Friedenssymbol aus Rovereto (Italien)

Der Titel  des im September 2019 erschienenen Sammelbands lautet "Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens" und deutet auf einen Prozess. Frieden ist ein Prozess, der nach christlichem Verständnis wesentlich auf die Herstellung von Gerechtigkeit und Rechtssicherheit abzielt und angewiesen ist. Auch das vorliegende Buch steht am Ende eines längeren Prozesses, der den Austausch zwischen unterschiedlichen Akteuren und vielfältigen Perspektiven ermöglichte. Zur Vorbereitung der diesjährigen EKD-Synode, die sich bei ihrem Treffen vom 10.-13.11.2019 in Dresden mit dem Schwerpunkt "Frieden" beschäftigen wird, wurde 2018 eine umfangreiche zweijährige Konsultation ins Leben gerufen. Eingeladen waren RepräsentantInnen kirchennaher NGOs und Netzwerke, der Landeskirchen, der Evangelischen Akademien und ExpertInnen aus wissenschaftlichen Einrichtungen. Sie kamen unter Leitung des Friedensbeauftragten des Rats der EKD in Wittenberg, Hannover und Frankfurt zusammen, diskutierten über den Zusammenhang von Frieden  und Gerechtigkeit und erarbeiteten Bausteine für einen Kundgebungsentwurf, der in Dresden diskutiert werden soll. Der Diskurs orientierte sich an den friedensethischen Grundlagen, die mit der EKD-Denkschrift "Aus Gottes Frieden leben - Für gerechten Frieden sorgen" 2007 geschaffen wurden. Diese können insgesamt weiterhin volle Gültigkeit beanspruchen, müssen aber immer wieder neu auf aktuelle politische Herausforderungen bezogen werden. Der nun vorliegende Band, in dem aktuelle Friedensgefährdungen analysiert und  politische Prozesse friedensethisch bewertet werden, liefert dafür wichtige Anhaltspunkte.

Information, Kontroversen und Argumentationshilfe

Die kurz und prägnant formulierten Beiträge bieten eine Fülle von Information zu drängenden friedenspolitischen Fragen. Zugleich stehen die AutorInnen für ganz unterschiedliche praktische und theoretische Zugänge. Ein Beitrag des Friedensbeauftragten des Rats der EKD, Renke Brahms, bildet den Auftakt. Er umreißt die unterschiedlichen Dimensionen von Gerechtigkeit und Frieden, unterstreicht das Prinzip der Gewaltlosigkeit und des Vorrangs von zivilen Ansätzen der Konfliktbearbeitung vor militärischem Vorgehen und stellt die Debatte in den ökumenischen Kontext. Der zweite Teil des Bandes widmet sich den Grundlagen für eine Ethik der Gewaltfreiheit. Der dritte Teil befasst sich mit Herausforderungen, die sich aus veränderten internationalen Machtstrukturen sowie aus ungerechter Klima- und Handelspolitik ergeben. Hier werden auch ethische Fragen behandelt, die mit neuen Waffensystemen verbunden sind. Weitere Beiträge hinterfragen die Politik der Europäischen Union im Kontext von Migration, Entwicklung und Sicherheit. Im vierten Teil werden komplexe Begriffe wie "Frieden", "Versöhnung" , "Barmherzigkeit" und "Gerechtigkeit" in ihren theoretischen Dimensionen beleuchtet. Auch die Rolle von Religion in der Dynamik von Konflikten und als Potenzial für Friedensförderung bildet einen Fokus. Weitere Beiträge widmen sich den Möglichkeiten und Grenzen von Militäreinsätzen sowie Ansätzen der zivilen Konfliktbearbeitung und Konflikttransformation. Im fünften Teil werden geistliche Praktiken diskutiert, und im sechsten Teil werden konkrete Erfahrungen aus Friedensprojekten und Freiwilligendiensten in Konfliktregionen, aus der Friedenserziehung, Aktionen der Friedensbewegung und Kampagnen gegen Rüstungsexporte vorgestellt.

Das Referat Menschenrechte und Frieden war am Konsultationsprozess im Vorfeld der Synode beteiligt und hat zu dem Band zwei Beiträge ("Zivile Konfliktbearbeitung und Konflikttransformation", S. 251-260, sowie: "Friedensprojekt oder 'Festung Europa'?", S. 159-170) beigesteuert.

Die Publikation umfasst 425 Seiten und kann im Buchhandel für 35,00 € erworben werden. Das Buch ist aber auch online auf der Website der EKD als pdf erhältlich.

Online-Diskussionsforum zu den Beiträgen des Lesebuchs

Die Arbeitsstelle Frieden beim Friedensbeauftragten der Badischen Landeskirche hat pünktlich zum Erscheinen des Bandes ein interaktives Diskussionsforum eingerichtet, in dem man online auf die Beiträge reagieren und zu den genannten Themen weiter diskutieren kann: https://www.kirche-des-friedens.de/html/content/friedenstheologisches_lesebuch.html

 

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