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Nach Erdbeben in Mexiko beeindruckende Solidarität

Die Zerstörung durch das Erdbeben ist außerhalb von Mexiko Stadt enorm, in der Stadt selbst sind 3.800 Gebäude betroffen. Ich erlebe vor Ort beeindruckende Solidarität der Bevölkerung, auch unsere Partnerorganisationen sind größtenteils an Rettungsmaßnahmen und Hilfsaktionen beteiligt.
Von Lars Bedurke am 22.09.2017 - 21:22
Lars BedurkeReferent für Ökumenische Begegnung
+49 (0) 30 65211-1229E-Mail: lars.bedurke@brot-fuer-die-welt.de

Helfer versuchen in den Trümmern nach Verletzten.
Helfer suchen in den Trümmern nach Verletzten.

Erdeben sind nichts ungewöhnliches in Mexiko und vor allem die Hauptstadt ist grundsätzlich gut darauf vorbereitet. Das Erdbeben vom 19.09.1985 mit 10.000 Opfern hat das Bewusstsein der Bevölkerung geschärft. Die Stadt verfügt über ein Frühwarnsystem, da die Beben sich normalerweise relativ weit entfernt von der Hauptstadt ereignen. Sollte es ein Beben geben, ertönen Sirenen in der Hauptstadt.

 

Wenn diese Sirene ertönt, bleiben rund 50 Sekunden Zeit, um sich irgendwie in Sicherheit zu bringen. Am 07.09.2017 blieben uns sogar 120 Sekunden. Zudem wird jedes Jahr am 19.09., dem Jahrestag der Katastrophe von 1985, um 11:00 Uhr eine riesige Katastrophenübung durchgeführt. Dieses Jahr ereignete sich 2 Stunden später die Katastrophe.

Es blieb keine Zeit - Die Sirene ertönte, als es schon bebte

Die Zerstörung ist ausserhalb von Mexiko Stadt enorm, in Mexico Stadt selber sind rund 3.800 Gebäude betroffen, 38 total zerstört und 12 unbewohnbar und vor allem der Süden der Stadt, welcher normalerweise verschont bleibt, enorm vom Erdbeben betroffen worden. Als sich das Beben am 7. Januar mit einer Stärke von 8.1. in Chiapas ereignete, bebte es hier im Süden relativ wenig, diese Mal, deutlich näher, weniger tief und nur 130km vom Süden der Stadt entfernt, fielen in der Wohnung die Regale um und leider sind in der nächsten Umgebung auch einige Häuser in sich zusammengebrochen. Der Fall der Grundschule in Xochimilco ist auch in den deutschen Nachrichten zu sehen gewesen. Die Sirene ertönte, als es schon bebte, es blieb keine Zeit.

Beeindruckende Solidarität der Bevölkerung

Ich erlebe vor Ort beeindruckende Solidarität der Bevölkerung, tausende Menschen befinden sich auf den Straßen und suchen nach Vermissten in den zerstörten Gebäuden, Jugendliche auf Fahrrädern und mit Motorrädern bringen Hilfsmaterial von einem Ort zum Nächsten und bahnen sich ihren Weg durch den chaotischen Verkehr der Stadt. Gerade unter der jüngeren Bevölkerung gibt es einen enormen Drang, sich in irgendeiner Form an den Hilfsaktionen zu beteiligen. Die Nationaluniversität hat ihre Studierenden aufgefordert, sich zur Hilfe einzufinden. Nachdem rund 1.500 StudentInnen mit Bussen die Stadt verlassen haben und in die Regionen aufgebrochen sind, konnten aus Kapazitätsgründen keine weiteren Konvois die Stadt verlassen.

Das Erdbeben vom 19.09.1985 mit über 10.000 Toten hat eine starke Zivilgesellschaft aufgebaut, welche heute in breiten Aspekten des täglichen Lebens unverzichtbar ist. Nach dem erneuten Erdbeben vom 19.09.2017 hat sich diese starke Zivilgesellschaft erneut gezeigt, niemand wartet auf die Hilfe des Staates, die Bevölkerung hat sich sofort und spontan organisiert. Gruppen, wie die “Topos” =Maulwürfe, Suchtrupps, gibt es seit 1985 und sie sind auch dieses Mal eine unverzichtbare Hilfe. Suchtrupps aus Japan, Kolumbien, El Salvador, Honduras, anderen Teilen Mexikos und Deutschland sind eingetroffen. 

Sachspenden übersteigen Kapazitäten

Viele Sammelstellen können die Anzahl der Spenden nicht annehmen, die Sachspenden übersteigen die Kapazitäten. Aktuell gibt es Sorge, dass staatliche Stellen Spenden unterschlagen und für politische Aktivitäten einsetzen können, zudem gibt es Sorge, dass der Staat die Suche nach Überlebenden einstellt und beginnt, mit schwerem Gerät die Ruinen abzuräumen. In den ländlichen Regionen, welche noch deutlich schwerer betroffen wurden, läuft die Hilfe deutlich schleppender und beeinflusst von politischen Rangeleien an.

Unsere Partner sind nicht betroffen und zum größten Teil aktiv an Rettungsmaßnahmen und Hilfsaktionen beteiligt. 

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