Blog-Beitrag

Die ersten Tage in Sambia

Simon Katzmair gewährt in seinem Blog erste Eindrücke über die Auswahl und Vorbereitung für den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst von Brot für die Welt bis hin zu einem Bericht der ersten Tage in Sambia.
Von Sandra Lüttke am 09.10.2019 - 12:08
Sandra Lüttke

Mein Name ist Simon Katzmair, ich bin 18 Jahre alt, komme aus München und habe dieses Jahr mein Abitur bestanden. Schon letztes Jahr im Oktober bewarb ich mich bei Brot für die Welt für einen Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst über ein Jahr im Ausland dort. Schnell wurde ich zu einem von zwei Auswahl- und Orientierungsseminaren über ein Wochenende nach Berlin eingeladen, wo ich mit etwa 25 weiteren Bewerbern sowohl Informationen zu dem Freiwilligendienst sammeln konnte, um später gegebenenfalls entscheiden zu können, ob ich den Dienst antreten möchte oder nicht, als auch mehrere Gespräche und Auswahleinheiten, bei denen Brot für die Welt passende Kandidaten für den Freiwilligendienst auswählte, hinter mich brachte. Schon etwa eine Woche nach besagtem Wochenende erhielt ich eine vorläufige Zusage und wieder ein paar Wochen später, kam die feste Zusage von Brot für die Welt mit der Anfrage, ob ich noch Interesse an dem Dienst hätte. Diese Frage konnte ich klar bejahen und so konnte Brot für die Welt sich auf die Suche nach einem Einsatzplatz für mich machen. Schnell kam der Vorschlag, dass ich das Jahr an der Kafue Boy´s Secundary School eingesetzt werden könnte. Nach einiger Recherche über die Einsatzstelle und das Land sagte ich für diese Einsatzstelle zu und kurz darauf wurde mit dem Vertrag alles in trockene Bücher gebracht. Für mich begann zu diesem Zeitpunkt noch einmal der letzte Klausurenstress für die Schule und dann die Abiturvorbereitung. Nachdem ich im Mai mein Abitur bestanden hatte begann zum Einen eine Phase voller Urlaube, zum Anderen aber auch die Vorbereitungszeit für mein Jahr in Sambia. Da gab es einiges zu tun, es musste ein Visum beantragt werden, ein Beratungsgespräch zu Tropenkrankheiten musste geführt werden, es gab einige Impungen aufzufrischen und neu zu bekommen, es mussten auch einige Besorgungen gemacht werden (man hat nun mal nicht so viele Tropenklamotten im Schrank) und natürlich war auch Vorbereitung auf das Land Sambia und seine Kultur angesagt.

Vom 08.-20. Juli stand dann das Vorbereitungsseminar in Berlin an, wo ich zum ersten Mal die alle 25 Mitfreiwilligen traf, von denen ich ja einige schon von Auswahlkurs kannte. Gemeinsam erwarteten uns knapp zwei Wochen voller Spaß und Information, über unsere Einsatzländer, -stellen und den Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Allgemeinen.

Nach den Tagen in Berlin standen noch drei Wochen bevor, in denen noch einiges zu erledigen war, denn es mussten ja noch Koffer für ein ganzes Jahr in Sambia gepackt werden und natürlich durften die Abschiede von Freunden und Familie nicht zu kurz kommen.

Und am Dienstag, den 13.08.19, ging für mich die Reise dann um ca.  11:00 Uhr mittags los. Ich musste mit dem Zug von München zum Frankfurter Flughafen fahren. Dort traf ich die vier weiteren Freiwilligen, die mit mir nach Sambia gehen, nach drei Wochen seit dem Vorbereitungsseminar wieder. Um 22:05 Uhr startete dann unser Flug nach Lusaka, mit Zwischenlandungen in Addis Ababa und Harare. Nach 13 Stunden Flug, während denen wir fünf Freiwilligen durch Aufregung und Vorfreude gemeinschaftlich nicht annähernd genug Schlaf bekamen, landeten wir am 14.08. am frühen Nachmittag in Lusaka, der Hauptstadt von Sambia. Dort wurden wir herzlich von unserer Landesmentorin Heidrun Fritzen von der Gossner Mission empfangen. Bei der Gossner Mission in Lusaka verbrachten wir dann noch ein paar Tage, während derer wir die Vorgänger aus unseren Projekten trafen, uns ein wenig an Sambia gewöhnen konnten, erste Besorgungen wie Sim-Karten machten und auch unsere Vorgesetzten und Mentoren in den Projekten kennenlernten. Außerdem gab es in diesen Tagen schon die ersten Heimwehattacken, da es auf einmal sehr real wurde, ein ganzes Jahr weg von zu Hause zu sein. Schon während dieser Tage wurde uns größtenteils bewusst, dass wir in einer ganz anderen Welt gelandet waren, als die, die wir von zu Hause gewohnt waren, und das obwohl wir bei der Gossner Mission noch einen großen Teil des gewohnten europäischen Luxus genießen konnten.

Am Sonntag, den 18.08., trennten wir uns dann auf und fuhren mit unseren Mentoren zu den Einsatzstellen. An meiner Einsatzstelle etwas außerhalb von Kafue kam ich mit meinem Mitfreiwilligen Elias gegen Mittag an. Wir nutzten die ersten Stunden in unserer Haushälfte auf dem Gelände der Kafue Boy´s Secundary School, um ein wenig aufzuräumen und unsere Zimmer zu beziehen. An diesem Tag machte ich zum ersten Mal die unschöne Erfahrung, wie es ist, der eigenen Familie und den Freunden nicht mitteilen zu können, dass man gut angekommen ist, denn weder meine noch Elias sambische Sim-Karte funktionierte und so waren wir von der Kommunikation abgeschnitten. Am Abend nutzte ich dann, nach einem traditionell sambischen Abendessen bei unserem Mentor Lazarous, kurz meine deutsche Sim-Karte um zu hohen Preisen kurze Rückmeldung geben zu können. Am Montag wurden Elias und ich von Lazarous nach Kafue gefahren um Lebensmittel zu kaufen und unsere Sim-Karten zum funktionieren zu bringen, was bei Elias auch schnell klappte. Gegen Mittag kamen wir wieder an unserem Haus an, wo wir auf Elias Handy einen verzweifelten Anruf von einer Mitfreiwilligen erhielten, da sie sich Sorgen machte, da wir uns noch nicht gemeldet hatten, und wir in den letzten Tagen als Gruppe schon sehr eng zusammengewachsen waren. Nach einer ruhigen Mittagspause ging es für mich noch einmal nach Kafue in die Stadt, um endlich auch meine Sim-Karte zum funktionieren zu bringen, was dann schlussendlich auch klappte.

Die nächsten Tage sammelten wir dann die ersten Arbeitserfahrungen im Hausmeisterteam der Schule, wo für das kommende Jahr unsere Hauptarbeitsstelle sein wird. Wir lernten einiges über Improvisation im Handwerk und Einteilung der Arbeitszeit und -kraft, denn hier werden erstens verschiedenste Werkzeuge kreativst genutzt um fehlende „Spezialwerkzeuge“ zu ersetzen (Hammer und Nagel können einfach einen Bohrer ersetzen) und zweitens kann es vorkommen, dass man sich zu acht zu einer bestimmten Uhrzeit trifft um zu arbeiten, aber dann erst eineinhalb Stunden später anfängt und nur zwei oder drei Leute arbeiten können und der Rest zuschaut. Außerdem sammelten Elias und ich neue Erfahrungen, denn wir leben beide zum ersten mal ohne Eltern in einer WG und müssen uns selbst um den Haushalt kümmern. Selbst einkaufen, kochen, putzen und auch selbst waschen, und das auch noch mit der Hand, da gibt es viel „learning by doing“. Und abgesehen von den „normalen“ Herausforderungen der ersten eigenen WG, standen auch sehr spezielle Herausforderungen auf dem Plan. So haben wir zum Beispiel morgens kaum Wasser, da unser Nachbar dann immer seinen Garten über den gemeinsamen Wasserhahn gießt, und uns so leider jeglichen Wasserdruck nimmt. Doch mit kreativen Lösungen wie Duschen mit einem 15-Liter-Kanister mit Löchern im Deckel, konnten wir uns schon ein wenig einrichten.

Nach der ersten Arbeitswoche,  in der wir viele neue Leute kennenlernten und auch schon die ersten Fetzen Nyanga (lokaler Dialekt) lernten, fuhren wir am Sonntag, den 25.08., schon wieder aus Kafue ab, um unsere Mitfreiwilligen Amelie, Frieda und Vivi zu treffen. Für die etwa 250 km Strecke brauchten wir ganze viereinhalb Stunden, was einiges über den Zustande der Straßen hier aussagt. Am nächsten Morgen, Montag der 26.08. fuhren wir gemeinsam weiter nach Livingstone, wo für die kommende Woche ein Seminar mit Freiwilligen einer anderen Entsendeorganisation anstand.

Die Woche vom 26.08. bis zum 31.08. verbrachten wir dann in Livingstone, wo wir die anderen Freiwilligen trafen, erste Fragen klären konnten und uns auch weitere überlegten. Außerdem genossen wir leckeres Essen und auch fließend warmes Wasser, das es bei uns im Haus nur spärlich gibt, und hatten erste Begegnungen mit Elefanten und Affen, die immer wieder in dem Camp, in dem wir schliefen, auftauchten.

Damit war der August auch schon zu Ende und damit der erste Monat eines Jahres geschafft. Nach all diesen teils schönen, teils weniger schönen, aber in jedem Fall prägenden Erfahrungen bin ich motiviert hier weiter zu machen und das kommende Jahr zu genießen.

Text Simon Katzmair

 

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