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„Ich will meine Erfahrungen teilen“

Seit einem Monat arbeitet Della Bii-Mai als 1000. Süd-Nord-Freiwillige bei der „Stiftung Partnerschaft mit Afrika“ in Potsdam, wohin sie von Brot für die Welt vermittelt wurde. Die 26jährige sieht ihren Einsatz in Deutschland auch als Chance für ihr Heimatland.
Von Michael Billanitsch am 27.09.2017 - 10:09
Michael BillanitschRedakteur für digitale Medien
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Della Bii-Mai an ihrem Arbeitsplatz
Della Bii-Mai an ihrem Arbeitsplatz

Della Bii-Mai unterstützt die „Stiftung Partnerschaft mit Afrika“ unter anderem bei dem Smartphone-Projekt „Faire Smartphones – wie (un)fair kann ein Smartphone sein“. In diesem Projekt bietet die Stiftung Workshops und Projekttage für junge Leute aus Deutschland und auch für junge Flüchtlinge an: „Wir beschäftigen uns bei diesen Workshops mit den Problemen, die bei der Smartphone-Produktion entstehen und was es bedeuten würde, ein Smartphone unter fairen und umweltgerechten Bedingungen zu produzieren.“  

Della ist gut angekomen

In Deutschland ist sie warmherzig aufgenommen worden. Sie wohnt zusammen mit einem syrischen Flüchtling bei einer Gastmutter, wo sie auch regelmäßig gemeinsam kochen. An das Essen in Deutschland musste sich Della erst einmal gewöhnen: „Als ich am ersten Tag hier ankam und in der Jugendherberge gegessen habe, war das Mittagessen wirklich, wirklich schrecklich für mich. Es waren Bohnen oder so etwas. Sie waren fad und kalt, ich konnte gar nicht begreifen, dass man hier so etwas isst.“

Eine weitere Sache, an die sie sich gewöhnen muss, ist die deutsche Art auf der Arbeit miteinander umzugehen: „Die Deutschen sind sehr direkt. Man sagt: ‚das ist richtig, das ist falsch‘, es wird nicht viel drum herum geredet.“ Außerdem gibt es bei der Stiftung ein sehr herzliches Verhältnis zwischen den Vorgesetzten und den Mitarbeitenden, das sie so aus Kamerun nicht kennt: „In einem Team weißt Du manchmal gar nicht, wer ist der Boss und wer Angestellter. Man arbeitet mehr gleichberechtig miteinander. In Kamerun läuft das eher hierarchisch.“ Manchmal sagen ihre Kollegen zu ihr: „Sag doch einfach, was Du denkst.“ Das ist für Della sehr schwierig, weil sie nicht unfreundlich erscheinen will.

Ausbildung in Kamerun

In ihrer Heimatstadt Bamenda hat Della Sozialwissenschaften studiert. Im Ausbildungssystem sieht sie einen großen Unterschied zu Deutschland: „Zu einer guten Ausbildung in Kamerun gehört es, zur Universität zu gehen. In Deutschland muss nicht jeder zur Uni gehen, man kann auch eine Berufsausbildung machen. Und mit dieser Ausbildung kannst Du etwas, was auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wird.“

In Kamerun ist es für junge Leute trotz eines abgeschlossenen Studiums schwer, einen Job zu bekommen. Es gibt viele Leute mit einem Universitätsabschluss, den sie nicht nutzen können. Und dann müssen sie irgendeine Beschäftigung annehmen.

Della arbeitete zum Beispiel nach ihrem Studium 2013 erst einmal zwei Jahre in einer Sprachschule an der Rezeption. Dann fand sie einen Job bei der Organisation „Rescue Women Cameroon“, die benachteiligten Frauen und Mädchen eine Perspektive bietet. Vermutlich half ihr bei der Jobsuche, dass sie sieben Jahre lang in ihrer Kirchengemeinde als Jugendleiterin Erfahrungen in der Jugendarbeit gesammelt hat.

Chancen durch Freiwilligendienst

Seit Oktober 2016 arbeitete sie für die langjährige Brot für die Welt-Partnerorganisation COMINSUD mit Jugendlichen, die Drogenprobleme haben. Hier schlug ihr ihr Chef vor, sich für den Süd-Nord-Freiwilligendienst zu bewerben. In diesem Programm können seit 2013 junge Menschen aus den Partnerländern des Globalen Südens einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Deutschland leisten, wie dies seit 2008 schon umgekehrt mit dem Nord-Süd-Freiwilligenprogramm „weltwärts“ möglich ist. Brot für die Welt ist bei beiden Programmen von Anfang an dabei.

Della begreift ihre Auslandserfahrung nicht nur für sich als Chance: „Ich möchte natürlich die Sprache lernen. Und ich möchte meine Erfahrungen in Deutschland auch für meine berufliche Entwicklung nutzen. Aber die Erfahrungen, die ich hier machen werde, sind nicht nur für mich. Ich kann sie teilen, wenn ich wieder in meinem Land als Sozialarbeiterin berufstätig bin.“  

Selbst in den wenigen Wochen, die Della bisher in Deutschland ist, hat sie viel gesehen und erlebt: „Es gibt so viele Sachen, die ich jetzt besser verstehe. Es wäre toll, wenn viel mehr junge Menschen aus Kamerun diese Erfahrung machen könnten, die ich jetzt machen kann.“

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