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Kleinfischerei von Investor gewaltsam vertrieben!

Im westafrikanischen Küstenstaat Guinea wurden mit Gewalt rund 800 handwerkliche Fischer, Fischverarbeiterinnen und FischhändlerInnen von ihrem seit Jahrzehnten genutzten Anlande- und Verarbeitungsgelände in der Hauptstadt Conakry mit Bulldozern und Tränengas vertrieben.
Von Francisco Marí am 03.12.2019 - 00:14
Francisco MaríReferent für Welternährung, Agrarhandel, Meerespolitik
+49 (0) 30 65211-1822E-Mail: francisco.mari@brot-fuer-die-welt.de

Die zerstörten Gebäude und Öfen der Fischverarbeiterinnen am 2.12.2019 in der Anlandestelle von Téminétaye in Conakry

Im westafrikanischen Küstenstaat Guinea wurden heute, am 2.12.2019, mit Gewalt rund 800 handwerkliche Fischer, Fischverarbeiterinnen und FischhändlerInnen von ihrem seit Jahrzehnten genutzten Anlande- und Verarbeitungsgelände in der Hauptstadt Conakry vertrieben. Die Räucheröfen und Anlegeeinrichtungen wurden mit Bulldozern zerstört. Die Polizei folgt damit dem Ruf des benachbarten Hotelkomplexes Noom, der zur Hotelkette (Mangalis) der Investitionsholding Teyliom gehört. Sie haben das Gelände für neue Parkflächen vom Staat gekauft, ohne vorherige Information oder gar Beteiligung der Betroffenen. Frauen und Männer hielten seit letzter Woche das Gelände besetzt, das für ihren Lebensunterhalt unabkömmlich ist. Die Koalition für Faire Fischereiabkommen und deren Mitglied Brot für die Welt solidarisieren sich mit den Betroffenen und fordern Wiedergutmachung für die gewaltsame Räumung.

Die Polizei hatte schon letzte Woche versucht die Menschen von ihrem Arbeitsplatz mit Tränengas zu vertreiben. Die Regierung von Guinea und der Investor zeigen sich kompromisslos und bieten nur an, in einem anderen Gelände, nahe des Hafens weiter ihren Tätigkeiten nachzugehen. Dort verarbeiten aber bereits Hunderte von Frauen den Fisch und andere Fischer landen ihren Fang dort an. Frauen und Männer im Fischereisektor in Conakry wehren sich dagegen aufeinander gehetzt zu werden und zeigen sich miteinander solidarisch. Auch die VerbraucherInnen sind auf ihrer Seite, da sie durch den Konflikt große Preiserhöhungen und Fischmangel befürchten. Die Aktivitäten der Hotelinvestoren und der Regierung gefährden damit auch die Ernährungssicherheit in der Hauptstadt und in der Region von Conakry.

Für Beatrice Gorez (Koordinatorin der Koalition für faire Fischereiabkommen), reihen sich diese Entscheidungen der ausländischen Investoren in Guinea ein, in die globale Strategie, durch sogenanntes „Blaues Wachstum“ - hier in Form eines Tourismusprojektes - einzig wirtschaftliche Aspekte bei der Ausbeutung von Meeren und Küsten zu beachten: „Die Vertreibung von Frauen in der Fischverarbeitung und Fischern von ihren Arbeitsplatzen zerstört nicht nur die Lebensgrundlage  von fast 1.000 Familien, sondern auch den Zugang der armen Bevökerung zur wichtigsten Proteinquelle der Bevölkerung von Conakry. Diese Räumung steht auch im Widerspruch zu den freiwilligen Leitlinien der Welternährungsorganisation (FAO) für die Sicherung der Kleinfischerei und denen zu Landnutzungsrechten , die die Republik Guinea, sowie alle FAO-Mitgliedstaaten unterzeichnet haben."

Francisco Mari, Fischereiexperte bei Brot für die Welt: „Das ist leider ein neues Beispiel von Landraub durch Investoren, wie man es seit Jahren in dieser Region erlebt (siehe Addax-Fall in Sierra Leone). Gerade hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Präsidenten von Guinea, Alpha Condé, im Rahmen des Afrika Gipfels zum „Compact with Africa“ empfangen und versichert, dass der Compact Investitionen unterstützen wird, die Arbeits- und Menschenrechte beachten. Leider zeigt sich an diesem Fall der Vertreibung durch Hotelinvestoren, wieder einmal, wie wenig in Wirklichkeit versprochene Investorenverpflichtungen in Afrika beachtet werden. Auch darum forderten Brot für die Welt und Partnerorganisation zum Afrikagipfel in Berlin dem Compact mit Afrika in seiner gegenwärtigen Form ein Ende zu bereiten. Internationale Leitlinien von FAO, UN oder Weltbank fordern Regierungen und Investoren auf, immer die vorherige Zustimmung der Gemeinschaften und Betroffenen einzuholen, bevor Investitionen getätigt werden, die Menschenrechte verletzten und ökonomischen Schaden anrichten könnten. Unsere Solidarität gilt den Frauen und Männern des handwerklichen Fischereisektors von Conakry, die für ihre Rechte kämpfen, und wir erwarten, dass die Regierung von Guinea eine Lösung für die vertriebenen Frauen und Männer findet, damit sie ihre Arbeit wiederaufnehmen können und vor allem auf jegliche Gewalt verzichtet wird.“

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