Blog-Beitrag

Klima geht uns alle an!

Die Präsidentin von Brot für die Welt, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, nähert sich in diesem Buch dem Thema Klimawandel. Ihre Erkenntnis: Die Folgen des Klimawandels untergraben die Anstrengungen im Kampf gegen Hunger und Armut.
Von Dr. h.c. Cornelia Füllkrug-Weitzel am 25.09.2019 - 19:20
Dr. h.c. Cornelia Füllkrug-WeitzelPräsidentin von Brot für die Weltmehr zur Person

Cornelia Füllkrug-Weizel präsentiert das Buch.
Cornelia Füllkrug-Weizel präsentiert das Buch.

Warum ich dieses Buch geschrieben habe

Ich habe dieses Buch in der festen Überzeugung geschrieben, dass die Eindämmung des Klimawandels in unserer Generation eine Schicksalsfrage der Menschheit ist. Ich gehöre zu den Menschen, die ‚postfaktischen‘ Verdummungsstrategien keine Chance einräumen. Ich bin sicher, dass die Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnisse ihre Überzeugungskraft entfalten können. Das wird insbesondere gelingen, wenn die Klimakrise ein Gesicht bekommt, etwa durch die Erzählung von Menschen, die mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben und nicht aufgeben, Strategien zum Weiterleben zu entwickeln.

Das gelingt auch, wenn wir nicht Ohnmachtsgefühle produzieren, sondern aufzeigen, welche Optionen wir haben, die notwendige Wende unseres Wirtschafts- und Lebensstils herbei zu führen. Wir sollten begehbare Wege aus der Klimakrise heraus aufzeigen, die Menschen ermutigen und bestärken, das vermeintliche ‚Schicksal‘ abzuwenden.

Nicht minder wichtig ist es mir, aufzuzeigen, worin die Chancen und Zugewinne im eigenen Leben liegen, wenn wir klimaneutral zu leben versuchen und welche Kosten zur Schadensbegrenzung und Bewältigung gespart werden könnten. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Wir haben noch zehn Jahre, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Nicht mehr. Aber wir haben diese zehn Jahre - nicht weniger. Und das gibt uns Hoffnung und den klaren Auftrag, sie zu nutzen. Darüber hinaus wurzelt mein Optimismus im christlichen Glauben und der festen Überzeugung, dass es kein unabwendbares Schicksal gibt - auch nicht bezüglich des Klimawandels. Wir können ihn stoppen – wenn wir innehalten und umkehren zurück ins Leben, wie es die Evangelische Kirche in Deutschland schon 2009 formuliert hat. [i]

Warum ich mich verantwortlich fühle

Millionen junge Menschen haben den Ernst der Lage begriffen. Und sie haben unsere Mut- und Tatenlosigkeit satt. Immer freitags und inzwischen rund um den Erdball gehen sie auf die Straße um uns aufzurütteln, endlich entschiedene und verbindliche klimapolitische Schritte zu unternehmen.

Ich werde keine Enkelkinder haben. Aber das muss man auch nicht, um sich für die Lebensrechte der kommenden Generationen verantwortlich zu fühlen. Ich habe als Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe das Privileg, in viele Länder zu reisen und – anders als Touristen – die harten Realitäten kennen zu lernen, denen die örtliche Bevölkerung ausgesetzt ist. Unter meinen Reisezielen waren auch viele Regionen, die schon seit Jahren massiv unter dem Klimawandel zu leiden haben.

Und ich hatte in den Vertretern unserer Partnerorganisationen vor Ort stets hochgradig und langjährig erfahrene Experten, die mir und meinen Mitarbeitenden helfen, die komplexen und tiefgehenden sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen Veränderungen zu verstehen, die der Klimawandel ihnen abverlangt – und auch für uns bedeuten würde, wenn wir es soweit kommen lassen. Wir haben die Folgen des Klimawandels bisher ignorieren können, weil wir damit – wieder mal – einseitig die Armen im Globalen Süden belastet haben. Entwicklungserfolge der letzten Jahrzehnte wurden zerstört. Weit weg haben wir die kostspieligen Folgen des Klimawandels ausgelagert.

Als Präsidentin zweier Hilfswerke fühle ich eine große Verantwortung dafür, die Lösung der Probleme da anzupacken, wo sie verursacht werden: bei uns. Warum Leiden und hohe Kosten produzieren, wenn es so viel billiger und verantwortlicher wäre, bei uns die Hebel umzulegen? Viele Menschen sagen mir immer wieder, sie wollen nicht bloß für die Armen in Entwicklungsländern spenden, sondern sich persönlich engagieren. Das können sie! Ich möchte Sie dringend aufrufen und anregen, einen persönlichen Einsatz zu leisten, indem Sie ihren Lebenswandel und ihre Konsummuster überdenken und sich politisch einmischen an der Seite der jungen Leute.

Begenungen, die mich berührten

Wenn ich in diesem Buch über Begegnungen mit Menschen in Äthiopien, Bangladesch und El Salvador berichte oder unsere Klimaverantwortliche, Sabine Minninger, von ihren Begegnungen im Pazifik, dann nicht nur, um mit Hilfe einer Art ‚Zoom‘ heranzuholen und sichtbar zu machen, was wir mit unseren übermäßigen CO2-Emissionen anrichten. Vom Kampf der betroffenen Bevölkerung und unserer Partnerorganisationen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Pazifik gegen die Folgen des Klimawandels geht auch große Ermutigung aus und wir dürfen davon praktisch, aber auch spirituell lernen.

Hinzu kommen in diesem Buch viele Gespräche mit Persönlichkeiten und Experten wie dem Leiter des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung, Professor Johan Rockstöm, der sich seit Jahrzehnten mit dem Klimawandel befasst, dem Meteorlogen Sven Plöger, der uns das Wettergeschehen in der Tagesschau vermittelt, oder dem Erzbischof von Kapstadt, Thabo Makgoba, der dem Klimawandel tagtäglich im südlichen Afrika begegnet. Ihnen allen möchte ich danken, weil sie dazu beigetragen haben, mir und hoffentlich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vertiefte Einblicke in den Klimawandel zu vermitteln.

Unterschiedliche Perspektiven auf den Klimawandel

Dieses Buch wäre nicht vollständig ohne die vielen weiteren Beiträge, unter anderem von Bärbel Höhn, die auf eine lange Karriere in der Klimapolitik zurückblickt und heute die Energiewende-Erfahrungen Deutschlands in Afrika vermittelt. Dirk Messner und Marian Feist, die an der Universität der Vereinten Nationen zu den Zusammenhängen von Umwelt und menschlicher Sicherheit arbeiten, zeigen auf, wie sehr Gerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz zusammenhängen. Jan Christensen, Ulrike Eder und Judith Meyer-Kahrs berichten von den ermutigenden Erfahrungen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, die einen Fahrplan zur vollständigen Dekarbonisierung bis 2050 beschlossen hat. Freiheit zur Begrenzung - die Verantwortung der Kirche für Klimaschutz diskutiert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche von Deutschland und bayrische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Sie alle beleuchten den Klimawandel aus unterschiedlichen Perspektiven. Aber ganz gleich ob wissenschaftlich, politisch oder theologisch begründet – sie eint der drängende Appell für massive Veränderungen in unserer Lebens- und Wirtschaftsweise, damit uns eine gute Zukunft bleibt. Auch Angela Merkel spricht vom disruptiven Wandel, den wir benötigen, um den Klimawandel zu bewältigen. Disruptiv steht für Technologiebrüche und umwälzende Veränderungen. Ich stimme dem zu. Wir stehen am Scheideweg. Ohne die Bereitschaft zu schnellen und großen Veränderungen berauben wir Millionen Menschen im globalen Süden, die nachfolgenden Generationen und unsere Mitwelt in verantwortungsloser Weise Lebenschancen.

Gemeinsam in eine klimafreundliche Zukunft

Es stimmt mich deshalb froh, dass ich auch junge Erwachsene aus Deutschland und von den Marshall-Inseln habe gewinnen können, ebenfalls zu diesem Buch beizutragen. So zum Beispiel Luisa Neubauer, Geographie-Studentin und prominente Stimme der Fridays-for-Future-Bewegung in Deutschland und Selina Leem, junge Aktivistin aus dem Pazifik. Was sie zu sagen haben, verdient es fürwahr, gelesen zu werden. Welch eine Vitalität, mit der sie sich dem Klimawandel stellen und uns zugleich herausfordern! Lassen Sie uns diese Herausforderung gemeinsam annehmen! Noch können wir umsteuern – wenn wir gemeinsam handeln!

Von all diesem handelt dieses Buch, mit dem ich Sie mitnehmen möchte auf eine Reise in eine klimafreundliche Zukunft. Nicht Mutlosigkeit, sondern die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen für unsere eine Welt, sollte uns dabei leiten, die Herausforderung der Klimakrise anzunehmen und als Chance auf ein besseres Leben zu begreifen. Mir gibt mein Glaube Kraft und die Zuversicht, dass uns das gelingt. Christen sind Hoffnungsmenschen!

[i] Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels, Denkschrift des Rates der EKD, 2009, Hrsg. Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-05909-9

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