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Lalee: Das Flüchtlingsstipendium gibt mir Zukunft

Nina Lalee (24) musste aus Theran fliehen. Sie hatte sich für Frauen- und Menschenrechte eingesetzt. Verhaftung, Flucht und Monate der Depression in Flüchtlingsheimen liegen hinter ihr. Der schönste Tag war die Zusage von Brot für die Welt: sie ist jetzt Flüchtlingsstipendiatin.
Von Eva Wagner am 25.05.2017 - 19:55
Eva WagnerPressereferentin Brot für die Welt Schwerpunkt Migration/Flucht

Verhaftung und Flucht aus dem Iran

"Ich habe in Teheran Deutsch und Französisch in einem Spracheninstitut unterrichtet. Immer wieder diskutierte ich im Unterricht über Frauen- und Menschenrechte. Besonders die Religionsfreiheit liegt mir am Herzen. Ich habe auch Bücher im Unterricht benutzt, die verboten waren. Der Geheimdienst hatte begonnen, mich zu verfolgen und eines Tages wurde ich verhaftet. Was mir während dieser Woche in einer kleinen Zelle passiert ist, darüber will und kann ich nicht sprechen. Es war die schrecklichste Zeit in meinem Leben. Nur durch die Hilfe meines Onkels kam ich frei. Es dauerte noch einige Monate, bis ich nach Deutschland fliehen konnte."

Monate der Hoffnungslosigkeit in deutschen Flüchtlingsheimen

"Im Januar 2016 kam ich hier an und die Zeit in verschiedenen Flüchtlingsheimen und bei der Registrierung war sehr schlimm. Ich war immer eine sehr aktive Frau gewesen, doch in diesen Monaten lag ich nur noch auf dem Bett. Ich kannte niemanden und konnte nichts mehr tun. Ich wurde depressiv und völlig hoffnungslos. Doch eines Tages begann ich nach Hilfe zu suchen und telefonierte sehr viele Organisationen ab."

Aufbruch und Suche nach einer Perspektive

"Ich suchte nach einer Möglichkeit, ein Pharmaziestudium aufzunehmen. Das wollte ich schon als Schülerin. Ich brauche ja eine berufliche Perspektive, aber ich hatte kein Geld und es war klar, dass das Jobcenter nichts mehr zahlt, wenn ich Studentin bin. Ich stieß dann auf das Flüchtlingsstipendium von Brot für die Welt. Darüber kam ich in Kontakt mit der evangelischen Studentengemeinde in Marburg. Endlich begann ich Leute kennenzulernen, sehr nette Menschen. Die Pfarrerin bemühte sich um mich und war wie eine Mutter zu mir. Sie empfahlen mich für das Stipendiumprogramm und ich wurde im Dezember 2016 aufgenommen."

Der schönste Tag: das Stipendium beginnt

"Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich damals gefreut habe. Es war der schönste Tag. Im Januar 2017 wurde auch mein Asylantrag anerkannt. Mittlerweile bin ich im 2. Semester im Studienkolleg in Marburg und lerne die deutsche Sprache, um mich danach um einen Studienplatz für Pharmazie zu bewerben. Ich bin wieder voller Lebensmut, voller Energie und habe Perspektiven. Das ist meine Migrationsgeschichte.“

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