Blog-Beitrag

Wir leiden für die Sünden von anderen

Gerold Schmidt ist freier Journalist, ehemalige Fachkraft von Brot für die Welt und hat im Vorfeld der COP25 mit unserer Partnerin Carolina Amaya von UNES aus El Salvador gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass die COP25 von Santiago de Chile nach Madrid verschoben wird.
Von Sabine Minninger am 26.11.2019 - 15:00
Sabine MinningerReferentin für Klimapolitik
+49 (0) 30 65211-1817E-Mail: sabine.minninger@brot-fuer-die-welt.de
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Carolina Amaya

Carolina Amaya arbeitet seit vielen Jahren bei der Unidad Ecológica Salvadoreña (UNES), einer Partnerorganisation von Brot für die Welt. Ins Deutsche lässt sich der Name der UNES vielleicht am Besten mit Salvadoreanisches Umweltteam übersetzen. Auf die Frage nach ihrem Beruf gibt Amaya Sozialarbeiterin an. Sie gehört zu einer Gruppe von Berater*innen, die die salvadoreanischen Dorfgemeinden bei Umweltkonflikten begleiten. Bei ihrer Arbeit tritt sie besonders für die Rechte der Frauen ein. Amaya ist nicht nur national, sondern auch international inzwischen eines der bekanntesten Gesichter der UNES. Auf dem X. Forum Verwundbares Zentralamerika, das am 5. und 6. Oktober 2019 in San José, Costa Rica, stattfand, war sie Mitglied des Organisationskomitees. Das Interview mit Carolina Amaya führte Gerold Schmidt am 7. Oktober 2019. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass die COP25 von Santiago de Chile nach Madrid verschoben wird und die diesjährige Weltklimakonferenz nicht in Lateinamerika stattfindet. 

 

F: Können Sie ein paar Worte zu UNES sagen? Wann wurde das Team gegründet? Welches sind die Arbeitsschwerpunkte?

A: UNES gründete sich 1988. Das heißt, wir blicken inzwischen auf mehr als 30 Jahre Erfahrung zurück. Eines unserer Schlüsselthemen ist das nachhaltige Wassermanagement – sozusagen das Rückgrat unserer Arbeit. Dazu kommt das Thema Ernährungssouveränität. Ganz wichtig ist für uns die territoriale Vernetzung. Nur so können wir unsere Naturgüter schützen und verteidigen. Dazu setzen wir auch auf Allianzen, die über die rein lokale Problematik hinausgehen. Und schließlich beackern wir das Thema Klimagerechtigkeit.

F: Stichwort Klimagerechtigkeit. Der Begriff wird recht vielfältig interpretiert. Was bedeutet Klimagerechtigkeit für UNES?

A: Für uns beinhaltet Klimagerechtigkeit erst einmal eine Klarstellung. Nicht wir waren es, die die Mutter Erde angegriffen haben. Wir sind nicht die Verursacher des Problems, das als globaler Klimawandel bezeichnet wird. Verursacher sind vor allem die entwickelten Wirtschaftsmächte. Aber dieses Problem, das einige wenige verursacht haben, beeinträchtigt ganz direkt uns. Obwohl wir am wenigsten dazu beigetragen haben. Einige Länder, einige Staaten haben die Atmosphäre, die uns allen zusteht, für sich vereinnahmt. Sie haben sich ihrer Kapazität bemächtigt, Treibhausgase aufzunehmen. Das bedeutet für uns: Unser Zugang zu manchen Grundrechten und Garantien wird zunichte gemacht oder vehement eingeschränkt. Das Recht auf Wasser, auf Wald, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wir leiden unter einer Sünde, die wir nicht begangen haben. Im Rahmen der globalen Klimakrise verlangen wir von den Verantwortlichen, dass SIE ihre Treibhausgase reduzieren. SIE müssen ihre Energiematrix verändern. In ihren Ländern muss mehr Bürgerbewusstsein für eine harmonischere Beziehung mit der Natur geschaffen werden.

Wir als Globaler Süden haben historisch gesehen den Lebensstandard der entwickelten Wirtschaftsmächte abgestützt. Darum akzeptieren wir nicht, dass wir in unseren Regionen, beispielsweise in El Salvador, dafür verantwortlich sein sollen, die Treibhausgase zu reduzieren. Die globale Klimakrise hat keine Lösung, solange die entwickelten Staaten ihre Energiemuster nicht ändern. Ihre Ökonomien, die heute auf der Zerstörung der Natur basieren, müssen neu aufgestellt werden. Eine Zerstörung, die im Übrigen viel weniger auf ihren, dafür umso mehr auf unseren Territorien geschieht. Nach wie vor herrscht eine irrige Vision von der möglichen Ausbeutung der natürlichen Güter dieses Planeten mit seinen endlichen Gütern. Es wird noch immer so getan, als ob diese Güter unendlich vorhanden wären. Wie wir es auch drehen und wenden wollen: Solch ein System ist nicht aufrechtzuerhalten, wenn wir die Kapazitäten des Planeten berücksichtigen.

Wir treten nach wie vor für das Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung ein. Dieses scheint nach der COP 21 in Paris in Vergessenheit geraten zu sein. Natürlich kontaminieren wir auch. Wir müssen unseren Teil in unseren Regionen leisten. Es gibt zudem den Norden im Süden: im absoluten Luxus lebende Familien, klaffende Lücken zwischen den sozialen Schichten, die reduziert werden müssen.

Der Klimawandel erinnert mich an die Situation der Titanic. Die Einstellung, zuerst lassen wir mal die unteren Klassen ertrinken. Aber danach werdet IHR auch erreicht. Das Schiff ist dabei, zu sinken. Wir im Globalen Süden sind jetzt schon betroffen. Aber danach trifft es die Gesellschaften des Globalen Nordens.. Die Zeit läuft uns davon. In diesem Sinne richten wir unsere Botschaft an die Gesellschaften des Globalen Nordens. Sie müssen Forderungen an ihre Regierungen stellen. Und ihren Lebensstil zu ändern.

Uns empört aber ebenfalls die Passivität, mit der die Regierungen der zentralamerikanischen Staaten das globale Problem des Klimawandels und der Alternativen angehen. Die Hausaufgaben werden nicht gemacht. Der Klimawandel ist in der Region und auf dem Planeten angekommen, um zu bleiben. Dieser Klimawandel geht beschleunigt vonstatten. Die angebotenen Lösungen sind nicht diejenigen, die die Dorfgemeinden fordern. Es sind keine Lösungen, die die Resilienz stärken, damit die Wirkungen der vom Klimawandel produzierten extremen Phänomene die Gemeinden weniger schädigen. Alternativen müssen realitätsnah sein und auf die Verwundbarkeit der Gemeinden eingehen. Sonst nähern wir uns dem Moment, an dem es zu spät ist und Adaptationsmaßnahmen nicht mehr greifen.

F: Klimagerechtigkeit hat auch mit Gendergerechtigkeit zu tun. Die costarikanische Abgeordnete Paola Vega skizzierte auf dem Forum die Situation der Frauen als ‚Verwundbarkeit innerhalb der Verwundbarkeit‘. Was sagen Sie dazu?

A: Die Klimakrise hat unterschiedliche Auswirkungen auf Männer und Frauen. Wegen der oft aufgezwungenen Rolle, für die Familie, die Gemeinschaft zu sorgen, trifft beispielsweise die Wasserknappheit Frauen ganz direkt. Sie müssen die Erwartungshaltung der Familie aushalten, Maydhée Recinos hat das auf dem Forum angesprochen. Wir Frauen ernähren die Welt. Aber es besteht noch eine große Schuld gegenüber den Frauen, was den Zugang zu Land betrifft. Darum fordert das Forum Verwundbares Zentralamerika das Recht der Frauen ein, über Landeigentum zu verfügen. Wir müssen die Rolle der Frauen als Produzentinnen, als Umweltschützerinnen anerkennen. Das ist für uns ein Lösungsbeitrag in der Klimakrise. Jede öffentliche Politik, die auf die Partizipation, den Beitrag und die Sichtweise der Frauen verzichtet, ist zum Scheitern verurteilt.

F: Sie und andere haben auf dem Forum wiederholt von ‚falschen Lösungen‘ für die Klimakrise gesprochen. Können Sie einige von diesen ‚falschen Lösungen‘ für die Territorien, die Lebensräume der Bevölkerung, konkret benennen?

A: Ich will das am Beispiel El Salvadors tun und etwas weiter ausholen. Unser Land ist stark von seiner Umwelt abhängig. Es ist höchst verwundbar, was Umweltbeeinträchtigungen angeht. Beim Wasser hängen wir am Tropf von Guatemala und Honduras. Von dort aus wird der Río Lempa gespeist. Dieser Fluss ist absolut zentral für uns. Der Klimawandel zeigt sich bei uns durch langandauernde Dürren. So von 2012 bis 2016, also vier Jahre hintereinander. Der Staat sah sich deswegen erstmals gezwungen, den Wassernotstand für den Großraum San Salvador auszurufen. Es gibt offizielle Szenarien für die vom Fluss geführten Wassermengen. Demnach könnte der Río Lempa nach einigen Berechnungen 2060 nur noch im Winter Wasser führen. Andere Schätzungen sagen voraus, das Bruttoinlandsprodukt El Salvadors könnte wegen der Wasserknappheit noch in diesem Jahrhundert auf unter 80 Prozent des heutigen Wertes abrutschen. Zudem sind in unserem Land, in dem wir nicht genug Wasser haben, fast 90 Prozent der Flüsse kontaminiert oder stark kontaminiert. Der Wasserpegel in den Brunnen sinkt den Untersuchungen zufolge jedes Jahr um 1,5 Meter ab.

Jetzt schon trägt die Wasserknappheit zur Landvertreibung vor allem der Kleinbauern bei. Wie soll das aussehen, wenn in der Zukunft das Wasser nur noch im Winter durch den Fluss fließt?  Dennoch wird weiter auf dem Bau von Staudämmen und Wasserkraftwerken bestanden. Diese Bauprojekte können nur über Verschuldung finanziert werden. Im Fall des Stauwerkes El Chaparral wurden dessen Kosten anfänglich auf 170 Millionen Dollar taxiert. Heute sind sie auf 700 Millionen Dollar gestiegen. Das ist ein Beispiel für die ‚falschen Lösungen‘ gegen die Klimakrise.

Im Zuge der Umweltkonflikte die Menschenrechtsverteidiger*innen, die Klima- und Umweltaktivist*innen in der Region verstärkt kriminalisiert. In Guatemala sehen wir den Landraub an indigenen Gemeinden, um Megaprojekte wie Stauwerke durchzusetzen. In Honduras sehen wir Repression und Verbrechen, um Bergbauvorhaben möglich zu machen. Diese Industrie hat blutbefleckte Hände aufgrund der Morde an Umweltschützer*innen. In Nicaragua wird gegen dissidente Stimmen vorgegangen. Sollen das Lösungen sein? 

Dann hören und sehen wir, wie der salvadoreanische Umweltminister auf dem Klimasondergipfel in New York als eine Adaptationsmaßnahme ein Surfprojekt vorstellt. Ein touristisches Surfprojekt wird niemals als Adaptationsprojekt für Küstengemeinden durchgehen, die sich heute aufgrund ansteigender Meeresspiegel zur Migration gezwungen sehen. Eine ‚falsche Lösung‘ für die Klimakrise. Dazu kommt das Versprechen des salvadoreanischen Präsidenten [Nayib Bukele] gegenüber dem Zentralamerikanischen Integrationssystem (SICA): der verstärkte Anbau der Monokultur Zuckerrohr. Das wird als eine Art Wiederaufforstung verkauft. Wir sind gegen Monokulturen. Ganz besonders gegen die, die sich auf die Ausbeutung der natürlichen Güter stützen.

Im Falle El Salvadors gibt es unzählige Beispiele dafür, wie die Zuckerindustrie die Flüsse für sich beansprucht, um ihre Zuckerrohrfelder damit zu bewässern. Diese machen heute 120 000 manzanas [eine manzana entspricht 0,7 Hektar] aus, davon allein 52 000 manzanas im Küstengebiet. Das verschärft die Wasserkonflikte. Bei den Dorfgemeinden geht es dabei um die Sicherung ihrer Lebensgrundlagen, ihre Subsistenzwirtschaft, bei der Zuckerindustrie um Extra-Gewinne. Wie kann es sein, dass Monokulturen im Kontext des Klimawandels als Vorschläge für die Anpassung (Adaptation) und Vermeidung (Mitigation) präsentiert werden? Auch Ananas- und Ölpalmenplantagen fallen darunter. Alle benötigen gesundheits- und umweltschädliche Agrargifte wie das Glyphosat. Sie überbeanspruchen die Grundwasserreserven in einer Situation, in dem die Wasserverfügbarkeit drastisch sinkt. Falsche Lösungen für die Klimakrise.

Die gentechnisch veränderten Pflanzen sollen eine Alternative für die Ernährungssicherheit sein. Saatgut, das dürreresistent ist und als eine Option der klimaintelligenten Landwirtschaft ins Gespräch gebracht wird. Wir sagen: Das wird mehr Abhängigkeit der Kleinbauernschaft beim Saatgut schaffen. Mehr Kontaminierung der Naturgüter Wasser und Boden. Die Idee ist mehr den Interessen einiger Weniger geschuldet als denen der Mehrheit, die vom Klimawandel mehr betroffen ist.

F: Ist die Arbeit der UNES durch den Regierungswechsel in El Salvador schwieriger geworden?

A: Vier Monate nach dem Regierungswechsel gibt es bisher die falschen Signale. Die Szenarien gehen von zunehmenden extremen Wetterphänomenen im Rahmen des Klimawandels aus. Was sind nun die Ideen des amtierenden Präsidenten? Er tritt dafür ein, die Umweltverträglichkeitsprüfungen schneller zugunsten der Unternehmen abzuschließen, um Investitionen zu fördern. Die Natur wird zur Ware, die Lebensräume werden zur Ware. Wir haben heute schon den Fall einer groß angelegten Urbanisierung in der Provinz Sonsonate. Dort wird abgeholzt, es existiert keine Umweltverträglichkeitsprüfung. Es gibt keine Rücksicht auf einen Kulturstandort mit einer Geschichte von mehr als 2500 Jahren – die archäologische Stätte Tacuscalco. Weder die vorherige noch die aktuelle Regierung sind dagegen vorgegangen, obwohl es einstweilige Verfügungen gegen den Bau gab. Es fehlte beiden Regierungen an der Kapazität und dem Willen, das Bauvorhaben in situ zu stoppen. Die Straffreiheit im Umweltbereich und die Flexibilisierung der Umweltverträglichkeitsprüfungen gleichen Blankochecks.  Die Dorfgemeinden sind dadurch noch vulnerabler.

F: Die Umweltbewegungen fordern immer wieder den Zugang zu Informationen über Großvorhaben, die Auswirkungen auf lokale Gemeinden und Mikroklimen haben können. Wie sieht es damit aus?

A: In den zehn Jahren der FMLN-Regierung gab es erhebliche Fortschritte beim Informationszugang. Der neue Präsident tritt wie erwähnt dafür ein, alle Umweltverträglichkeitsprüfungen, die im Umweltministerium liegen, zu genehmigen. Wir haben auf der Grundlage des Gesetzes über den Zugang zu öffentlicher Information angefragt, um welche Umweltverträglichkeitsprüfungen es sich handelt. Die Antwort: Es handele sich um vertrauliche Information, solange der Genehmigungsprozess laufe. Was nützt uns der Zugang, wenn er erst nach der Genehmigung möglich ist? Dann können laut Gesetz keine Einsprüche mehr gemacht werden. Bei weiteren auf das Informationsgesetz gestützten Anfragen sind unsere Anträge nicht einmal entgegengenommen worden. Das Recht auf den Informationszugang war ein Erfolg, eine Errungenschaft. Dies steht nun in Zweifel.

Im Parlament hat sich in den vergangenen Jahren die Möglichkeit für uns ergeben, abgetrennt durch eine Glasscheibe den Sitzungen des Ausschusses für Umwelt und Klimawandel zuzuhören. Vor wenigen Wochen kamen wir mit unseren kleinen Plakaten und wollten uns gegen die Wasserprivatisierung aussprechen. Vier unserer Mitstreiter*innen wurden mitten im Parlament [von Sicherheitspersonal] attackiert. So etwas haben wir jahrelang nicht mehr erlebt. Wir sehen die Gefahr, dass auch in El Salvador der Einsatz für die Umwelt wieder kriminalisiert wird. 

F:  Zurück auf die internationale Ebene. Was sagen Sie zum „Phänomen Greta“, wie es auf dem Forum genannt wurde. Letztendlich ist das ja auch eine Bewegung, die vom Globalen Norden ausgeht. Was hat sie mit der Realität des Globalen Südens zu tun?

A: Wir bewundern die Rolle, die Greta als junges Mädchen, als junge Frau einnimmt. Bei der Abschlusserklärung unseres Forums erwähnen wir absichtlich besonders die jungen Generationen. Die Plattitüde, die jungen Generationen seien die Zukunft, müssen wir demontieren. Die jungen Generationen sind die Gegenwart! Sie spielen jetzt eine wichtige Rolle. Greta hat das mit der Mobilisierung, die sie angestoßen hat, gezeigt. Dort sind es im Wesentlichen die Jugendlichen, die einen Systemwechsel fordern. Greta ist sehr radikal in ihren Forderungen. Sie klagt einen radikalen Wandel ein, einen wirtschaftlichen Modellwechsel. Ich bin optimistisch, es tut sich weltweit viel. Ich hoffe, das ist nicht nur vorübergehend. In Zentralamerika haben wir übrigens unsere eigenen Gretas. Die ermordete Berta Cáceres war eine, Miriam Miranda von der OFRANEH in Honduras ist eine andere. Wir haben unsere Bertas, in der Mehrheit sind es Frauen.

F: Welche Perspektiven sehen Sie für das Forum Vulnerables Zentralamerika?

A: Als Forum feiern wir mit all seinen Herausforderungen inzwischen eine zehnjährige Arbeit. Anstoß war die COP 15 in Kopenhagen. Wir waren damals enttäuscht und wollten eine eigene Antwort geben, Kooperationsformen in unserer Region suchen. Für uns ist ganz klar: Die wirklichen Lösungen müssen von der Arbeit vor Ort, nicht von den Schreibtischen ausgehen (desde los territorios, no desde los escritorios). Das Forum ist mit der Zeit erheblich gewachsen. Das hat uns viele harte Debatten gekostet. Auch Spaltungen. Doch bei aller Unterschiedlichkeit haben wir es geschafft, einen Konsens zu finden. Das machte es möglich, vor drei Jahren in Guatemala erstmals Vertreter*innen von 200 Organisationen aus Zentralamerika zusammen zu bringen. Einige sind mehr technisch-wissenschaftlich ausgerichtet. Andere engagieren sich gegen den Bergbau in Honduras, gegen die Wasserprivatisierung in El Salvador. Wir nehmen das Recht für uns in Anspruch, nicht immer einer Meinung mit den Mitstreiter*innen aus Nicaragua sein zu müssen. Vor zwei Jahren kam mit Ditsö [in der bri-bri-Sprache hat das Wort die Bedeutung Saatgut] die erste costarikanische Organisation zu uns. Damit erweiterte sich unsere Allianz auf Costa Rica. Letztendlich machte das unser zehntes Forum in San José möglich. 

Wir stehen vor riesigen Aufgaben. Der Klimawandel reist im Privatjet und die Alternativen im Karrenwagen. Wir als soziale Organisationen, Frauenorganisationen, Basisorganisationen, technisch-wissenschaftliche Organisationen und indigene Bevölkerung sehen: Die staatliche Politik macht uns vielfach noch vulnerabler gegenüber extremen Klimaphänomenen. Als Organisationen müssen wir eine gemeinsame, partizipative Position der zentralamerikanischen Länder haben. Eine Position, die nicht nur das Problem der Klimakrise darstellt. Sondern unseren Blick hinsichtlich der Alternativen deutlich macht. Alternativen, die von unseren Erfahrungen auf dem Territorium, unserem konkreten Lebensraum, ausgehen. Wir werden unser Abschlussdokument den politischen Entscheidungsträgern auf der PreCOP und der COP 25 übergeben. Das wird das Problem nicht lösen. Aber solche Aktionen erlauben unsere Positionierung und wenigstens einen gewissen Druck. Wenn wir nicht zusammenhalten, wenn wir keine Kohäsion erreichen, wenn wir nicht mobilisieren, Alternativen suchen, dann werden wir weiter unter den Folgen des Klimawandels leiden.

 

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