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Lithium, das weiße Gold

Spätestens seit dem Abgasskandal ist die Elektromobilität das zentrale Zukunftsthema der Bundesregierung. Sie wird als Schlüssel zu einer klima- und umweltfreundlichen, ressourcenschonenden und effizienten Mobilität gesehen. Bis 2020 sollen auf deutschen Straßen eine Million Elektroautos fahren.
Von Online-Redaktion am 13.11.2018 - 10:09
Online-Redaktion

Lithiumabbau im Atacama-Salzsee

Nun will die Bundesregierung auch die Fertigung der Batteriezellen nach Deutschland holen. Wirtschaftsminister Altmaier kündigte gestern eine Milliardenförderung für eine eigene deutsche Batterieproduktion an. Dafür bildet sich derzeit ein Industriekonsortium unter Beteiligung von VARTA Microbattery.

Eine unersetzliche Ressource

Ein Rohstoff, der dabei nicht wegzudenken ist, ist Lithium. Bis zu 40 kg Lithium enthält der Akku eines Elektroautos. Der Ausbau der Elektromobilität ist damit verantwortlich für den rasanten Anstieg des weltweiten Lithiumbedarfs, der sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht hat und sich Prognosen zufolge bis 2025 noch einmal verdoppeln wird.

Der Report „Das weiße Gold – Umwelt- und Sozialkonflikte um den Zukunftsrohstoff Lithium“, den Brot für die Welt am 13. November 2018 veröffentlicht, zeigt, welche Folgen der steigende Lithiumbedarf für die Menschen am anderen Ende der Wertschöpfungskette hat. Mehr als 60 Prozent der weltweiten Lithiumreserven lagern in Salzseen im sogenannten Lithiumdreieck, einer Region an der Grenze von Argentinien, Bolivien und Chile.

Lithiumabbau setzt den Menschen vor Ort zu

Die Gegend ist Heimat indigener Gemeinden, die von Land-, Viehwirtschaft und traditioneller Salzgewinnung leben. Der Lithiumabbau gefährdet diese Lebensweise. Denn er stellt einen massiven Eingriff in die Umwelt dar. Zur Gewinnung von Lithium werden im Salzsee riesige Betonbecken installiert, in die das lithiumhaltige Wasser gepumpt wird und verdunstet.

Fast zwei Millionen Liter Wasser werden verbraucht, um eine Tonne Lithium herzustellen. Am chilenischen Atacama-Salzsee, wo seit 1984 Lithium abgebaut wird, sind die Folgen erkennbar: Der Grundwasserspiegel in der Region sinkt, Vegetation vertrocknet, Böden versalzen und endemische Vogelarten wie die Flamingos sterben aus. Weil die indigenen Gemeinden weder informiert noch angemessen an den Gewinnen beteiligt werden, gibt es zahlreiche Konflikte.

Es wird Zeit für ein nachhaltiges Wirtschaften mit Lithium

Damit der Ausbau der Elektromobilität in Deutschland zum Umweltschutz beitragen kann, ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Lithiumreserven nötig. Brot für die Welt empfiehlt dazu im Report:

  • Alternative Mobilitätswende einleiten: Die Verkehrswende darf sich nicht auf den Austausch des Antriebs beschränken, sondern muss zu einer umfassenden Mobilitätswende werden, deren zentrales Ziel die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs ist.

  • Rohstoffkreisläufe schließen: Lithium kann recycelt werden. Diese Möglichkeit muss zukünftig auch genutzt werden.

  • Unternehmensverantwortung: Deutsche Unternehmen müssen dazu verpflichtet werden, dass sie Lithium nur von Produzenten beziehen, die beim Abbau auf möglichst umwelt- und sozialverträgliche Verfahren achten.

Bildergalerie: 

Vom Salzsee zum Elektroauto: Es ist ein langer Weg bis aus der Salzlake die Batterie für ein Elektroauto entsteht.

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Hoher Ressourcenaufwand: Bei der Herstellung von Lithium werden Unmengen Wasser verbraucht.

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