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Neue Studie Marikana fünf Jahre nach dem Massaker

Platin für den Weltmarkt, Blechhütten für die Arbeiter: Arbeits- und Lebensbedingungen in Marikana fünf Jahre nach dem Massaker
Von Helle Dossing am 16.08.2017 - 12:12
Helle DossingReferentin Südliches Afrika

Am 16. August 2017 jährt sich das „Massaker von Marikana“ zum fünften Mal. Bei einem Streik in der von zwei Tochterfirmen des britischen Unternehmens Lonmin betriebenen Marikana-Platinmine in Südafrika wurden 2012 34 Minenarbeiter von der Polizei erschossen, 78 verletzt und Hunderte festgenommen. Gründe für den Streik waren unerfüllte Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Lebensbedingungen. Denn der Großteil der Minenarbeiter in Südafrika lebt in Slums in Unterkünften aus Wellblech, ohne Strom, fließend Wasser und Kanalisation und ohne Schutz vor den Umweltverschmutzungen, die durch den Bergbau verursacht werden. Die Arbeit in der Mine ist hart und gefährlich und die Löhne reichen nicht, um die Familie zu ernähren. Das Massaker von Marikana hat weltweit Medienaufmerksamkeit erregt und hat die politische Landschaft Südafrikas nachhaltig verändert. Dennoch gibt es bis heute keine Entschädigung für die Opfer, keine Strafverfolgung von Polizisten und keine offizielle Entschuldigung, weder von der Regierung noch von Lonmin. Fünf Jahre später haben sich auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Marikana kaum verbessert. Es gibt eine Verbindung nach Deutschland: Der Chemieriese BASF kauft über 50% von Lonmins Jahresproduktion an Platin und verwendet es für die Herstellung von Katalysatoren für die Automobilindustrie. Neben den Hauptverantwortlichen, der südafrikanischen Regierung und dem Unternehmen Lonmin, ist daher auch BASF in der Pflicht. Das Unternehmen beansprucht für sich, wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung, auch entlang der Lieferkette, zu kombinieren. Dennoch wurde BASF bisher nur halbherzig und erst nach massivem zivilgesellschaftlichem Druck aktiv. Das Kampagnennetzwerk „Plough back the fruits“, in dem sich südafrikanische und europäische NGOs, darunter Brot für die Welt und Bench Marks Foundation, übt seit 2014 durch Informations- und Lobbyaktivitäten Druck auf BASF auf, damit das Unternehmen seiner Lieferkettenverantwortung nachkommt.

Die neue Studie, die zum 5. Jahrestag des Massakers von the Bench Marks Foundation und Brot für die Welt herausgegeben wird, untersucht die heutigen Arbeits- und Lebensbedingen in Marikana und formuliert Forderungen an die südafrikanische Regierung, LONMIN und BASF.

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