Blog-Beitrag

Reden von Neth Dano beim Protest vor dem GFFA

Statement von Neth Daño auf der Kundgebung des Bauernprotests im Rahmen der Agrarministerkonferenz am 19. Januar 2019
Von Stig Tanzmann am 21.01.2019 - 21:39
Stig TanzmannReferent für Landwirtschaft
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Mit im Bild Georg Jansen AbL und Staatssekretär Michael Stübgen
Neth Dano vor dem Auswärtigem Amt während ihrer Rede

Ich bin hier im Namen der Action Group on Erosion, Technology and Concentration (ETC Group) und möchte meine Solidarität mit den hier protestierenden deutschen Bäuerinnen und Bauern anlässlich der internationalen Agrarminister Konferenz äußern.

Ich stamme von den Philippinen, wo mehr als 10 Millionen Menschen, also mehr als ein Viertel der Bevölkerung, im landwirtschaftlichen Sektor tätig ist. Unsere Landwirtschaft ist eine der am wenigsten mechanisierten in ganz Asien. Die Regierung versucht dies mithilfe von japanisch finanzierten Programmen zu ändern. Japan ist ein global agierender Produzent sowie Exporteur von landwirtschaftlichen Geräten. Der Einsatz der importierten Maschinen, wie zum Beispiel Reismähdrescher und Sämaschinen, beginnen schon jetzt landwirtschaftliche Arbeitsplätze zu verdrängen, insbesondere Saisonarbeiter, landlose Bauern und auf dem Land lebende Frauen sind betroffen. Diese Maschinen sind, wegen ihrer negativen Auswirkungen auf Kleinbauern und vor allem Landlose und Saisonarbeiter, in der lokalen Sprache als „Biester“ weit bekannt.

Wie vor 50 Jahren bei der „Grünen Revolution“ wird die Digitalisierung in der Landwirtschaft aggressiv von oben herab nach unten durchgesetzt. Die digitale Landwirtschaft wird sehr stark von einer Handvoll marktbeherrschender Megakonzerne kontrolliert, die den globalen Markt für Saatgut, Agrarchemikalien, Landmaschinen und Daten dominieren. Die Konsolidierung und  die Fusionen in letzten Jahren innerhalb und zwischen den verschiedenen landwirtschaftlichen Sektoren und im vor- und nachgelagerten Bereich sowie mit nicht traditionellen Akteuren, ist zu großen Teilen von der Digitalisierung in der Landwirtschaft und der Gier nach Profiten getrieben. Jede Information auf dem Betrieb muss in Computern erfasst werden, die Big Data verarbeiten um dann die Entscheidungen  auf dem Betrieb zu treffen, dies entmachtet und marginalisiert die Bäuerinnen und Bauern weiter.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, welche weder die Mittel haben dieses Technologien kaufen oder verstehen zu können werden in der Debatte zu Digitalisierung außerhalb von Lippenbekenntnissen noch nicht einmal berücksichtigt. Dies steht in starkem Kontrast zu den Prinzipien der Erklärung der Vereinten Nationen „Für die Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten".

Wir fordern eine umfassende, partizipative und transparente Evaluation des Digitalisierungsprozesses und den damit assoziierten Technologien in der Landwirtschaft auf nationalem und regionalem Level.  Wir bitten die Vereinten Nationen eindringlich, einen globalen Mechanismus und Rahmen zur Bewertung von potentiellen Auswirkungen neuer Technologien zu schaffen. Wer kontrolliert und wer wird profitieren, welche Kosten entstehen für Gesellschaft und Umwelt, was sind die Alternativen für diese Technologien - dies sind zentrale Fragen, die von der Gesellschaft, angeführt von den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, welche zurzeit mindestens 70% der Weltbevölkerung ernähren und von den potentiellen Auswirkungen am meisten betroffen sein werden, gestellt werden müssen.

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