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Sterben im Mittelmeer kann gestoppt werden

Von Internetredaktion am 20.04.2015 - 13:36
InternetredaktionRedaktionsteam für Web und Social Media

105 Menschen versuchten in diesem Gummiboot das Mittelmeer zu überqueren.
Flüchtlinge wagen sich auf ungeeigneten Booten aufs Mittelmeer. Viele überleben die Überfahrt nicht.

Noch weiß niemand, wie viele Opfer genau das letzte Flüchtlingsdrama vor der Küste Libyens am Wochenende gefordert hat: 500?, 700?, 950? Wer wird auch die Menschen zählen, wenn es darum geht, das eigene Leben zu retten? Klar ist, egal wie viele Männer, Frauen und Kinder in den Fluten ertrunken sind, es sind zu viele. Und das Bedrückende: Das Sterben im Mittelmeer könnte gestoppt werden, wenn es dazu den politischen Willen gäbe.

Nach Meinung von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe muss dafür ein europäisches Seenotrettungsprogramm wieder umgesetzt werden. Auch Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe, sieht diese Lösung: „Das elende Ertrinken von Schutzsuchenden hat die Europäische Union eindeutig mit zu verantworten. Wir brauchen wieder ein umfassendes, europäisches Seenotrettungsprogramm – ähnlich wie ‚Mare Nostrum‘“ . Und leider hat die Bundesregierung die Abschaffung von „Mare Nostrum“ im Herbst 2014 mit betrieben.

Jochen Cornelius-Bundschuh, badischer Landesbischof und Vorsitzender des Ausschusses Entwicklungsdienst und Humanitäre Hilfe stimmt ihr zu: „Auch Deutschland darf sich nicht länger mit dem Verweis auf angeblich hohe Kosten gegen eine weitreichende Seenotrettung wehren“. Der Ausschuss tagt ab heute in Berlin.

In Brüssel beraten heute die EU-Außenminister die Situation. Sie müssen dringend tragfähige Entscheidungen treffen. Flüchtlinge brauchen legalen und sicheren Zugang nach Europa. „Weil es keine legalen Wege für sie gibt, ihr Recht auf Asyl und Schutz einzufordern, sehen sich die Menschen gezwungen, ihr Leben in die Hände von total skrupellosen Schleusern zu geben“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel. Die Europäische Union muss nun endlich Entscheidungen treffen, die das Sterben beenden. „Diese dürfen aber nicht die Würde und Rechte der Flüchtlinge verletzen. Das Vorhaben, in Nordafrika Asylzentren einzurichten, ignoriert, dass es in diesen Staaten eklatante rechtstaatliche Defizite gibt“, sagt sie. Europäische Verantwortung anerkennen heißt, unabhängige, rechtstaatliche Verfahren zur Aufnahme in Europa zu gewährleisten, und nicht auf nordafrikanische Staaten abzuwälzen.

Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe engagieren sich seit Jahrzehnten die Lebenssituation in den Ländern zu verbessern, aus denen die Flüchtlinge kommen. Zudem bemühen sich die Hilfswerke, das Leben in den bestehenden Flüchtlingslagern etwa in Afrika oder Nahost zu erleichtern. Doch die Humanisierung der europäischen Flüchtlingspolitik bleibt dringend erforderlich.

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