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Wir trauern um Sajed Mizher

Berlin/ Palästina/ Bethlehem, 29.03.2019 Wir trauern um Sajed Mizher, einen medizinischen Ersthelfer unserer palästinensischen Partnerorganisation Palestinian Medical Relief Society (PMRS). Der 18-jährige Freiwillige wurde in seinem Einsatz tödlich verletzt.
Von Evelyn Ebert am 01.04.2019 - 11:28
Evelyn EbertReferentin Naher Osten

Mit großer Betroffenheit und Besorgnis reagieren wir auf die Nachricht unserer langjährigen palästinensischen Partnerorganisation Palestinian Medical Relief Society (PMRS), dass ihr medizinischer Ersthelfer Sajed Mizher während eines Einsatzes im palästinensischen Flüchtlingslager Dheished durch die Kugel eines israelischen Soldaten tödlich verletzt wurde.

Das Flüchtlingslager liegt südlich von Bethlehem im palästinensischen Westjordanland.  Nach Angaben palästinensischer Augenzeugen kam die israelische Armee in den frühen Morgenstunden des 26. März  in das Lager um Verhaftungen durchzuführen. Ihr Einsatz wurde von Protesten der lokalen Bevölkerung begleitet, es flogen Steine, die Situation eskalierte. Die Ersthelfenden unter ihnen auch Sajed Mizher,  trafen ein, um Verwundete zu versorgen. Schüsse fielen und eine Kugel traf ihn in den Bauch. Nach Angaben unserer Partnerorganisation verstarb er wenig später im Krankenhaus.

Im israelisch-palästinensischen Konflikt widersprechen sich oft die Aussagen, wie auch in diesen Fall. Die israelische Armee stellt den Verlauf anders da. Was genau passiert ist, ist von Berlin aus schwer zu beurteilen.

Fakt ist, dass ein 18-jähriger junger Mann, der sich für seine Gemeinschaft engagiert hat, von einem Schuss israelischer Sicherheitskräfte mit scharfer Munition tödlich verletzt wurde, während er erste Hilfe leistete. Er trug die Weste, die viele Ersthelfende des palästinensischen medizinischen Hilfswerkes tragen. Umstritten ist, ob ihn diese Weste ausreichend als Ersthelfer identifizierbar machte. Es verstößt gegen die Genfer Konventionen, auf speziell gekennzeichnete Personen zu schießen, die Erste Hilfe leisten.

Der Tod Sajed Mizhers ist kein Einzelfall. Bereits im Juni 2018 wurde eine junge von PMRS ausgebildete ehrenamtliche medizinische Ersthelferin im Gazastreifen während ihres Einsatzes bei den Protesten an der Sperranlage von scharfer Munition tödlich verletzt, die von israelischer Seite kam. Auch sie trug eine Weste, die sie als Ersthelferin kennzeichnen sollte.

Sajed war Teil einer Jugendgruppe von PMRS. Brot für die Welt unterstützt im Rahmen der finanziellen Förderung in Palästina fünf Jugendzentren von PMRS. Die Jugendlichen erhalten dort schulische Ergänzungskurse und die Möglichkeit ihre Freizeit sinnvoll mit gemeinsamen Aktivitäten zu gestalten. PMRS bildet in diesen Zentren Jugendliche auch in Erster Hilfe aus. Diese gehen dann in ihre Gemeinden und leisten bei Bedarf Erste Hilfe. Aufgrund der anhaltenden schwierigen humanitären Lage in den Palästinensischen Gebieten gibt es häufig keine schnelle professionelle medizinische  Hilfe. Auch fehlt es an medizinischem Personal. Die jugendlichen Ersthelfer und Ersthelferinnen leisten somit einen wichtigen Beitrag für ihre Gesellschaft.

Wir sprechen den Angehörigen und Freund*innen von Sajed Mizher und PMRS unser Beileid aus. Uns bleibt, mehr drüber nachzudenken, wie wir Partner und deren Zielgruppen  besser schützen können.  Vor dem Hintergrund humanitärer Rechtsstandards erachten wir die Aufklärung des Falls als wichtig.

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