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Wer ernährt in Zukunft die Städte?

Die 58. Aktion von Brot für die Welt lenkt den Blick auf die Ernährung in den schnell wachsenden Städten der Entwicklungsländer. Schon heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in der Stadt. Über die große Herausforderung, die wachsende Bevölkerung mit ausreichender undgesunder Nahrung zu versorgen.
Von Dr. h.c. Cornelia Füllkrug-Weitzel am 16.11.2016 - 11:00
Dr. h.c. Cornelia Füllkrug-WeitzelPräsidentin von Brot für die Weltmehr zur Person

Grafik: Die Entwicklung der städtischen und ländlichen Weltbevölkerung im Vergleich von 1950 bis 2050.
Die Entwicklung der städtischen und ländlichen Weltbevölkerung im Vergleich von 1950 bis 2050.

2050 werden zwei Drittel der Weltbevölkerung in den urbanen Zentren leben. Vor allem in Asien und Afrika entstehen immer mehr Megastädte – Städte mit 16, 20 oder 25 Millionen Einwohnern. Alle diese Menschen hoffen, in der Stadt ein besseres Leben zu finden. Traditionell ernährt das Land die Stadt. Eine der großen Herausforderungen unseres Jahrhunderts ist deshalb die Frage, wie es gelingen kann, die wachsende Bevölkerung, vor allem in der Stadt, mit ausreichender und gesunder Nahrung zu versorgen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen leiden weltweit 795 Millionen Menschen Hunger und zwei Milliarden an Mangelernährung. Sie nehmen zwar genügend Kalorien, aber keine oder zu wenig Nährstoffe und Vitamine zu sich. Besonders gravierend wirkt sich dieser „stille Hunger“ bei Kindern aus – sie bleiben im Wachstum zurück, sind lebenslang geschwächt und anfällig für Krankheiten. 

Kleinbäuerliche Landwirtschaft produziert 80 Prozent der Nahrungsmittel

Die Vereinten Nationen haben deshalb mit den nachhaltigen Entwicklungszielen unter anderem vereinbart, bis 2030 alle Formen der Mangelernährung zu überwinden und insbesondere Maßnahmen zu ergreifen, die Situation von Kindern unter fünf Jahren zu verbessern.

Heute liefert die familienbetriebene oder kleinbäuerliche Landwirtschaft etwa 80 Prozent aller Nahrungsmittel weltweit. Das Land ernährt auch die Stadt. Familienbetriebe produzieren den Großteil der Erzeugnisse, die in der Stadt auf den Tisch kommen. Das wird auch so bleiben müssen, denn selbst versorgen können sich die Städte nicht, auch wenn urbane Landwirtschaft dazu beiträgt. 

Informelle Märkte sind wichtig für die arme Bevölkerung

Unbestritten ist, dass die Erzeuger ihre Produktivität steigern müssen, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Bis 2030 soll die Produktivität dieser kleinbäuerlichen Betriebe doppelt so hoch sein, auch darauf hat sich die Weltgemeinschaft in den Nachhaltigen Entwicklungszielen geeinigt. Um das zu schaffen, brauchen die Betriebe Ressourcen, Zugang zu Wissen und zu Krediten. Und sie brauchen ein sicheres Einkommen und angemessene Preise.

Die arme städtische Bevölkerung versorgt sich besonders über informelle Märkte mit frischen Produkten. Deshalb ist es wichtig, in der Stadt vielfältige Einkaufsmöglichkeiten zu erhalten. Der Staat ist gefordert, mit Systemen sozialer Sicherheit ihr Bedürfnis nach ausgewogener Ernährung zu sichern. Das gilt besonders für Frauen, die in der Regel für die Ernährung ihrer Familien zuständig sind und in der Stadt der doppelten Herausforderung, mit Erwerbsarbeit Einkommen zu verdienen und ihre Familien ernähren zu können, konfrontiert sind.

Seit fast 60 Jahren im Einsatz gegen Hunger und Mangelernährung

Kleinbäuerliche Familienbetriebe sind jedoch auch wachsender Konkurrenz durch private Unternehmen ausgesetzt. Sie bemächtigen sich zunehmend der Nahrungsmittelproduktion und -versorgung und verdrängen die Erzeugnisse der Familienbetriebe. Damit diese für ihre regional angebauten frischen Lebensmittel auch weiterhin Abnehmer finden, muss die Dominanz der großen Konzerne über den Anbau von Nahrungsmitteln bis zum Verbrauch zurückgewiesen und bäuerliches Engagement gefördert werden.  Verlässliche Liefer- und Wertschöpfungsketten sind nötig, um die Nachfrage in den Städten und die Versorgung aus den ländlichen Regionen zu verbinden.

Brot für die Welt ist der Überzeugung,

  • dass nachhaltige kleinbäuerliche Landwirtschaft auch die wachsende städtische Bevölkerung ausgewogen und gesund ernähren kann.
  • dass lokal produzierte Lebensmittel häufig nährstoffreicher als die  importierten Produkte aus dem Supermarkt sind. Aufklärung tut daher not.
  • dass es ist die Aufgabe des Staates ist, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass sich alle Menschen mit vielfältigen, gesunden und bezahlbaren Nahrungsmitteln versorgen können.

Dafür setzen wir uns in unserer politischen Arbeit und in der Zusammenarbeit mit vielen Partnern ein. Als Hilfswerk, das sich vor fast 60 Jahren die Überwindung von Hunger und Mangelernährung auf die Fahnen geschrieben hat, sind wir überzeugt: Hier muss viel mehr getan werden. Dazu gehört unbedingt, die Produktion und die Einkommen in der Landwirtschaft zu steigern. Wichtig sind außerdem Programme zur Bereitstellung von Nahrung mit ausreichenden Nährstoffen für Arme und  Einkommenstransferprogramme wie es sie in Brasilien gibt. Nicht zuletzt brauchen Menschen weltweit sauberes Trinkwasser. In der 58. Aktion von Brot für die Welt stellen wir  Projekte in Brasilien, Indien und Togo vor, die in die nachhaltige Landwirtschaft investieren zum Wohl der lokalen Bevölkerung und zum Schutz vor Hunger und Mangelernährung. Die Aktion steht unter dem Motto „Satt ist nicht genug - Zukunft braucht gesunde Ernährung“.

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