Blog-Beitrag

What's COP got to do with it?

Im polnischen Katowice wurde am 3.12. die 24. UNO-Klimakonferenz feierlich eröffnet. Brot für die Welt begleitet den Prozess seit zehn Jahren - ein Anlass für einen kritischen Rückblick und eine persönliche Bewertung.
Von Sabine Minninger am 03.12.2018 - 17:28
Sabine MinningerReferentin für Klimapolitik
+49 (0) 30 65211-1817E-Mail: sabine.minninger@brot-fuer-die-welt.de
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UN Generalsekretär Guterres bei der Eröffnung der COP24
UN Generalsekretär Guterres bei der Eröffnung der COP24

Die 24. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP24) wurde heute feierlich durch die polnische Präsidentschaft eröffnet und ich selbst feiere mein 10-jähriges COP-Jubiläum mit Brot für die Welt. Wäre es eine Ehe, dann würde man das Jubiläum Rosenhochzeit nennen – ich empfinde meine Beziehung zu den Weltklimakonferenzen eher als Rosenkrieg: Wir haben nach wie vor Gefühle füreinander und respektieren uns, aber eigentlich haben wir uns von Anfang an nicht verstanden. Zu viele Kompromisse mussten wir schließen, auf unsere gegenseitigen Bedürfnisse konnten wir eigentlich nie angemessen eingehen.

10 Jahre mit einigem Licht und viel Schatten

Das Jubiläum ist ein guter Moment, die eigene Anwesenheit und die von Brot für die Welt bei den Weltklimakonferenzen zu überprüfen. Meine erste COP war die COP14 im polnischen Poznan im Jahr 2008. Es war die erste Klimakonferenz an der Brot für die Welt teilnahm, nachdem deutlich wurde, dass der Klimawandel Entwicklung untergräbt und Armut verschärft. Kurz vorher hatten die Verhandlungen neben den Bemühungen in Sachen Klimaschutz auch eine Entwicklungsagenda aufgelegt. Immer mehr Entwicklungsorganisationen brachten sich in die Verhandlungen ein, neben den Umweltorganisationen, die seit der ersten Stunde zahlreich im Prozess vertreten waren. Auf dieser ersten COP vor 10 Jahren war Brot für die Welt mit zwei Vertretern von Partnerorganisationen aus Bangladesch vertreten.

Blickt man nun zurück, ist es recht frustrierend zu wissen, dass der Klimawandel ungebremst fortschreitet und auch die Treibhausgasemissionen weiter ansteigen. Nach 24 Jahren Klimaverhandlungen, einem gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen (2009) und einem erfolgreich abgeschlossenen Klimaabkommen in Paris (2015) ist es nicht gelungen, den gefährlichen Klimawandel einzudämmen. Vielleicht wäre der Anstieg der Treibhausgasemissionen noch steiler, wenn es keine Klimaverhandlungen geben würde? Auf der Klimaschutzseite kann man nur spekulieren -  was wäre wenn.

Unsere Anwesenheit ist erforderlich

Wäre es also besser „wenn nicht der ganze Klimaverein von bis zu 50.000 Menschen einmal im Jahr um den Planeten fliegen würde, dabei die Atmosphäre verpestet und kaum Ergebnisse liefert“? Diese Frage muss man sich natürlich gefallen lassen und natürlich auch beantworten können. Hier ein paar ausgewählte Gedanken:

  • Wir als Zivilgesellschaft müssen an den Klimakonferenzen teilnehmen, denn die fossile Industrie, wie auch die Atomkraftindustrie, deren Gegenlobby wir sind, fahren hin.
  • Die ärmsten und verletzlichsten Staaten, deren Delegationen im Vergleich zu den mächtigen Industrienationen oftmals sehr klein sind, werden von der Zivilgesellschaft unterstützt, die auf Verhandlungen mit mehr Ambition drängen.  
  • Wir übersetzen den Verhandlungsprozess aus unserer Sicht für die Presse, damit schaffen wir mehr Transparenz in dem Wirrwarr.
  • Es hat sich eine gewaltige Entwicklungsagenda aufgebaut, so dass neben den Umweltorganisationen, deren Fokus von Anfang an der Klimaschutz war, nun auch Themen wie Anpassung und Klimafinanzierung für Anpassung einen ebenbürtigen Platz auf der Verhandlungsagenda haben.
  • Der Grüne Klimafonds und der Anpassungsfonds für Anpassungsmaßnahmen im Globalen Süden wurden geschaffen und das Pariser Klimaabkommen vereinbart - alles sehr bedeutsame Meilensteine in der Klimadiplomatie.
  • Auch wenn die Verteilung der Klimafinanzierung bis heute nicht gleich auf Projekte zur CO2-Minderung und Anpassungsprojekte im Globalen Süden aufgeteilt wird, so gibt es doch ein großes Bewusstsein, dass die Mittel für Anpassungsfinanzierung deutlich erhöht werden müssen.
  • Ich bilde mir tatsächlich ein, dass es das Thema „Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten“, kurz genannt Loss and Damage, ohne die tatkräftige Unterstützung von Hilfs- und Entwicklungswerken wie Brot für die Welt mit der ACT Alliance und zusammen mit unseren Kolleginnen von Oxfam, CARE, Misereor, Germanwatch, ActionAid etc. so in dieser Art und Weise nicht im Pariser Klimaabkommen geben würde.
  • Über klimabedingte Schäden und Verluste durfte man auf COPs 20 Jahre lang nicht einmal laut nachdenken, ohne dass Industriestaaten panikhaft abgewehrt  hätten, dass man doch nicht einen Blankocheck für alle Wetterschäden ausstellen könne. Bei diesem Thema hat sich in den letzten fünf Jahren sehr viel getan vor allem durch die Gründung des Warschau Mechanismus für Loss and Damage. Immerhin wurde dadurch das Verständnis für Loss and Damage geschärft, auch wenn noch nicht viel getan wurde, um die Betroffenen von klimabedingten Schäden und Verlusten angemessen bei der Bewältigung von Klimakatastrophen zu unterstützen.

Ich könnte an der Stelle noch mehr auflisten und erklären, belasse es aber dabei. Der Frust ist nach wie vor groß, dass die Verhandlungen so zäh verlaufen und zu wenig und zu langsam passiert. Aber die Tatsache, dass statt der zwei Partnerorganisationen von Brot für Welt aus dem Jahr 2008 nun weit über 70 KollegInnen von Partnerorganisationen im Prozess vertreten sind, zeigt welche Relevanz das Thema für NGOs aus dem Globalen Süden hat und damit natürlich auch für Brot für die Welt.

Wir kämpfen weiter

Unsere Partner fordern Klimagerechtigkeit und das niemand in der Klimakrise zurückgelassen werden darf. Sie sehen in dem Prozess der UN-Klimakonferenzen nach wie vor die Möglichkeit, von den wichtigen politischen Entscheidungsträgern gehört, von den eigenen Regierungen ernst genommen, und von der Weltpresse mit ihren Sorgen und Forderungen wahrgenommen zu werden.

Durch die stringente Koordination in unseren Netzwerken Climate Action Network International und ACT Alliance wird der Prozess nicht nur beeinflusst, sondern auch bewertet. Die Gesamtanalyse fällt da einstimmig aus – es ist besser, diesen Prozess zu haben, als ihm den Rücken zu kehren wie es die USA plant. Zumindest reden wir noch miteinander und hören uns zu – eigentlich eine Grundvoraussetzung für eine gute Beziehung. Wenn den Worten jetzt noch Taten folgen würden…

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