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Wirkungsorientierung

Studie "Wirkungsorientierung in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit“ Die Erkenntnisse der Studie werden von VENRO aufgegriffen, um diese für die Praxis nutzbar zu machen. Brot für die Welt bringt sich in diesen Prozess ein.
Von Sigrun Landes-Brenner am 08.10.2019 - 14:22
Sigrun Landes-Brennerkommissarische Leiterin der Inlandsförderung

Welche Wirkungen sind von Angeboten entwicklungspolitischer Bildungsarbeit zu erwarten?

Die Diskussion um die Frage, welche  Wirkungen sich mit der entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationsarbeit in Deutschland  tatsächlich erreichen lassen, beschäftigt Akteure wie Geber schon mehrere Jahre. Die VENRO-AG Bildung lokal/global hat diese Diskussion in ihren Konferenzen 2011 und 2012 aufgegriffen. Im Verlauf des Diskurses wurden Qualitätskriterien für die entwicklungspolitische Inlandsarbeit  entwickelt und die Frage um Ziele und Indikatoren diskutiert. Die begleitenden Handreichungen von VENRO dokumentieren den Prozess (https://venro.org/publikationen/), der sich viel mit der Frage um die Qualität von entwicklungspolitischer Bildungsarbeit befasste und dann 2016 in das vom BMZ finanzierte Ressortforschungsvorhaben „Wirkungen und Methoden der Wirkungsbeobachtung in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit“ mündete. In diesem Forschungsvorhaben wurde über zweieinhalb Jahre hinweg untersucht, welche Wirkungen sich in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit erreichen lassen, welche Merkmale die Wirksamkeit von Maßnahmen der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit befördern können und wie sich Wirkungen im Rahmen von Evaluationen in der entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationsarbeit effizient erfassen lassen.

Dabei standen  vier Maßnahmenformate der entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationsarbeit im Fokus: 1. Kurzveranstaltungen (Projekttage, Seminare), 2. schulbezogene Kampagnenarbeit, 3. Schulungen von Multiplikator/innen und  4. Entwicklung und Einsatz von Materialien. Neben Datenerhebungen in acht ausgewählten Fallbeispielen wurde zudem eine großangelegte Desk-Studie durchgeführt. Diese zielte zum einen darauf ab, den Forschungsstand zu Wirkungen in zentralen Bezugsfeldern entwicklungspolitischer Bildungsarbeit zu analysieren. Zum anderen sollte ein Überblick darüber gewonnen werden, wie in Arbeitsfeldern, die mit dem Forschungsvorhaben verbunden sind, Wirkungszusammenhänge analysiert und modelliert werden. Insgesamt 97 Studien wurden hier einbezogen.

Zwei Ergebnisse des Forschungsvorhabens stehen im Vordergrund:

1. Es wird ein leicht modifiziertes Wirkungsverständnis vorgeschlagen und mögliche Wirkungen der entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationsarbeit werden in drei Wirkungsordnungen eingeteilt: 

- Wirkungen erster Ordnung: kognitiver Wissenserwerb, Reflexion, Selbstwirksamkeit
- Wirkungen zweiter Ordnung: persönliche/berufliche Haltung und Überzeugung, handlungsleitende Orientierung
- Wirkungen dritter Ordnung: (verändertes) Handeln (persönlich und/oder beruflich)

2. Es wurde deutlich, dass die Frage, inwiefern sich diese Wirkungen zeigen, in allen Maßnahmenformaten von sehr ähnlichen Faktoren und Zusammenhängen abhängig ist. Diese Zusammenhänge wurden für jedes Maßnahmenformat in einem entsprechenden Wirkungsmodell festgehalten, welches nun zur Planung und Reflexion der eigenen Arbeit herangezogen werden kann. 

In der Gesamtschau zeigen die Ergebnisse des Forschungsvorhabens, dass alle Maßnahmenformate das Potenzial haben, Wirkungen erster, zweiter und dritter Ordnung zu erreichen. Sicher treten bei längerfristig angelegten Bildungsangeboten eher Wirkungen zweiter und ggf. dritter Ordnung auf. Die Ergebnisse zeigen jedoch auch, dass Informationsvermittlung (Informationsveranstaltungen,
(Fach-)Zeitschriften und Dokumentationen) einen wichtigen Grundstein dafür legt, dass Lernende aktiv werden können.

Die wissenschaftliche Studie wurde von einem Konsortium von fünf Evaluator/innen durchgeführt (Prof. Dr. Claudia Bergmüller-Hauptmann, Susanne Höck, Eva Quiring, Dr. Jean-Marie Krier und Bernward Causemann) und von einer Steuergruppe begleitet, in der Vertreter/innen von VENRO (auch von der Inlandsförderung von Brot für die Welt), vom BMZ und von Engagement Global vertreten waren.

 

Was bringt das Forschungsvorhaben für die Praxis?

Das Forschungsvorhaben hilft durch das modifizierte Wirkungsverständnis und die Wirkungsmodelle, die im Unterschied zur Wirkungskette das Umfeld des Projektes mit in den Blick nehmen, Wirkungen in den einzelnen Maßnahmenformaten besser planen und reflektieren zu können. In allen Modellen wird deutlich, welche Faktoren Wirkungen der entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationsarbeit beeinflussen können. Zudem wird in expliziten Zusammenfassungen deutlich gemacht, welche Faktoren in den einzelnen Formaten besonders wirkungsförderlich sind. Und auch hinsichtlich der Erfassung von Wirkungen gibt es Tipps. So werden Methoden der Wirkungserfassung vorgestellt und reflektiert.

Diese Hinweise werden im nächsten Jahr von VENRO aufgegriffen; so sollen beispielsweise die von VENRO erarbeiteten Qualitätskriterien für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der Studie mit Akteuren aus der Praxis und Autor/innen der Studie überarbeitet und auch Methoden der Datenerhebung für die Praxis dokumentiert werden. Die Inlandsförderung von Brot für die Welt bringt sich in diesen (Lern-)Prozess ein. 

Die Studie wurde mit dem Titel „Wirkungsorientierung in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit“ im Waxmann-Verlag veröffentlicht wurde. Sie kann ab sofort unter www.waxmann.com/buch3923 in der Print-Version bestellt oder kostenfrei als PDF heruntergeladen werden.

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