Termin

"10 Jahre Öl MACHT ARMUT": Fachtagung zum Modellprojekt der Weltbank im Tschad

Datum: 
10.10.2013
9:30 - 17:00
Die Erdölindustrie hat im Doba-Becken ein Gutteil des bebaubaren Landes in Beschlag genommen.

Als das Tschad-Kamerun-Erdölpipeline-Projekt in den 1990er Jahren geplant wurde, waren die Erwartungen hoch. Der Bevölkerung wurden bessere Lebensverhältnisse versprochen und die tschadische Regierung legte gemeinsam mit der Weltbank die Erdölgewinnung als Modell-Projekt an, um zu beweisen, dass gute Regierungsführung im Rohstoffsektor möglich ist. Bei keinem anderen Weltbankprojekt wurden so vielfältige und tiefgreifende Instrumente geschaffen, um Entwicklungsziele der Armutsreduzierung und des capacity building zu erreichen.

Die Bilanz nach zehn Jahren Erdölförderung ist ernüchternd: Ausbleibende und ungerecht verteilte Entschädigungszahlungen schüren bis heute lokale Konflikte. Die Regierung bleibt hinter ihren Vorsätzen einer Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Bevölkerung zurück und nutzt die Erträge aus dem Erdölgeschäft zur Konsolidierung ihrer Macht, auf Kosten einer Demokratisierung. Der Tschad ist militärisch stark und gilt vor dem Hintergrund des derzeitigen regionalen Konfliktherdes Sahel als neuer Stabilisator. Doch die Armut im eigenen Land nimmt weiter zu und die innenpolitische Lage ist angespannt.

All diese Entwicklungen haben die Kritiker des Vorhabens nicht überrascht. Von Beginn an hat die internationale Zivilgesellschaft, gemeinsam mit lokalen tschadischen und kamerunischen Akteuren, dieses Großprojekt begleitet und sich mit Lobby- und Advocacy-Arbeit für Rohstoffgerechtigkeit und die Wahrung der Menschenrechte eingesetzt.

Am 10. Oktober 2013 werden ExpertInnen aus Politik, Wissenschaft sowie VertreterInnen der tschadischen und deutschen Zivilgesellschaft die Auswirkungen der zehnjährigen Erdölförderung im Tschad beleuchten und der Frage nachgehen, wie es zu den negativen Konsequenzen des Modellprojektes der Weltbank kam und warum Ressourcenreichtum nicht in einen Entwicklungsprozess übersetzt werden konnte. Welches Fazit ergibt sich und mündet in welche konkreten Forderungen zur Veränderung? Wie lesen sich diese Forderungen vor einem internationalen Wettlauf um Rohstoffe? Wie beeinflussen neue ökonomische Akteure im Rohstoffsektor das Agieren nationaler Eliten und internationaler Politik?

Alle Interessierten sind herzlich zu dieser Fachtagung eingeladen.

Veranstalter: 
AG Tschad und Brot für die Welt
Ansprechpartner/in: 
Claudia Tatchum-Kaiser
Veranstaltungsort: 
Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst
Caroline-Michaelis-Str. 1
10115  Berlin
Deutschland
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