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Earth Overshoot Day: Alle, alle!

... heißt es, wenn der Apfel oder das Brötchen aufgegessen sind. Der Earth Overshoot Day, auf Deutsch Erdüberlastungstag, macht klar, wann die nachhaltig nutzbaren ökologischen Ressourcen aufgebraucht sind. Dieses Jahr ist der Termin bereits am 1. August.
Von Johannes Küstner am 31.07.2018 - 17:53
Johannes KüstnerReferent für Bildung
+49 (0) 30 65211-1809E-Mail: johannes.kuestner@brot-fuer-die-welt.de
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José Barrios bewässert seine Felder über Nacht mit einem modernen Sprinkler. Das spart Wasser und Zeit.

Meine zweijährigen Kinder verstehen das. Wenn der Apfel oder das Brötchen aufgegessen sind, heißt es „Alle, alle!“. Dann ist klar: jetzt ist nichts mehr da. Wir Erwachsenen tun uns da schwerer. Der Earth Overshoot Day, auf Deutsch Erdüberlastungstag, rückt Jahr für Jahr weiter nach vorne. 2017 war es der 2. August. 2018 ist es der 1. August. An diesem Tag hat die Weltbevölkerung so viel ökologische Ressourcen genutzt, wie der Planet im ganzen Jahr regenerieren kann. Unter den schwindenden Ressourcen leiden wirtschaftlich arme Menschen am stärksten. Ein Umsteuern ist dringend nötig. Dann ist ein gutes Leben auf dieser einen Erde möglich.

Was ist das Problem?

Ab dem 1. August lebt die Menschheit bei der Natur auf Pump. Unser ökologischer Fußabdruck ist zu groß. Wir fischen mehr als sich Fischbestand regeneriert. Wir ernten mehr Holz als nachwächst. Wir emittieren mehr Kohlendioxid als die Ökosysteme aufnehmen können. Die Dispozinsen für diesen Kontoüberzug sind gewaltig: verringerte Biodiversität, kollabierte Fischbestände, Bodenerosion und Klimawandel. Das ist ein Problem für die gesamte Weltbevölkerung. Doch die wirtschaftlich armen Menschen leiden darunter als erste und am stärksten. Die gute Nachricht: Ein Umsteuern ist möglich.

Was tut Brot für die Welt dagegen?

Brot für die Welt hilft besonders den Menschen, die schon heute von Umweltfolgen direkt betroffen sind. So zum Beispiel im Norden Perus. In dem Andendorf Pandachí ist Trockenheit schon lange ein Problem. Der Klimawandel hat dieses Problem verschärft. Früher regnete es mindestens von Dezember bis März, heute oft nur noch im Januar und Februar. Die Erträge der Felder sind gesunken. Viele Kinder in der Region sind unter- oder mangelernährt. Die Organisation CICAP, ein Partner von Brot für die Welt, hat mit den Kleinbauernfamilien ein nachhaltiges Bewässerungssystem aufgebaut. Gemeinsam wurde ein altes Regenrückhaltebecken wieder in Stand gesetzt. Es wurden Rohre zu den Feldern verlegt und wassersparende Sprinkler eingesetzt. Jetzt freuen sich die Bauern wieder über reiche Ernte.

Auf politischer Ebene engagiert sich Brot für die Welt für die Wahrung der Menschrechte und nachhaltige Entwicklung. Auch mit der Bildungsarbeit hilft Brot für die Welt, Ideen für eine sozial-ökologische Transformation zu entwickeln und zu verbreiten.

Was kann ich tun?

Wir können unseren persönlichen ökologischen Fußabdruck verkleinern. Brot für die Welt bietet dafür einen einfachen Online-Test an. Mit diesem kann man den eigenen Fußabdruck ermitteln und erhält direkt Vorschläge zur Verkleinerung. Die wichtigen Hebel sind schon lange bekannt: weniger Fliegen, weniger Autofahren, weniger Fleisch essen und effizienter Heizen. Dabei schreibt der Ökologische Fußabdruck niemandem vor, was und in welchem Umfang man tun muss. Er versetzt aber in die Lage eigene, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Nur wenn ich weiß, welches Verhalten wie stark ökologisch ins Gewicht fällt, kann ich meine Ökobilanz gezielt und sinnvoll verbessern.

Wie verändert sich die Gesellschafft?

Persönliche Lebensstiländerungen reichen nicht aus. Ich bekomme wöchentlich Mails von Menschen, die einen beeindruckend niedrigen Fußabdruck haben und sich darüber ärgern, trotzdem keinen nachhaltigen Wert zu erreichen. Auf die Frage, was sie denn noch tun könnten, ist meine Antwort immer gleich: „Vergrößern Sie Ihren politischen Handabdruck!“

Erst durch gesetzliche Standards kann öko und fair zur Routine werden. Dann sind erneuerbare Energie, ökologische Landwirtschaft, nachhaltige Mobilität und nachhaltige Produktion der Normalfall. Dann können wir auch in Deutschland gut leben, ohne dabei Benachteiligten in der Gegenwart und unseren Nachkommen zu schaden.

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