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Letzter Aufruf Durban - EED Tourism Watch sieht Tourismus nicht als Ausrede für bindende Regulierungen im Flugverkehr

Von Heinz Fuchs am 09.12.2011 - 16:44
Heinz FuchsEhemaliger Mitarbeiter

Statt Flugemissionen weiterhin zu verschonen, fordern wir ein Umdenken im internationalen Tourismus hin zu mehr Nachhaltigkeit“ sagte Sabine Minninger von EED Tourism Watch bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des UN-Klimagipfels von Durban.

Sie präsentierte das Positionspapier „Last Call To Durban“, in dem der EED gemeinsam mit seinen Partnern (Ecumenical Coalition On Tourism, Fair Trade in Tourism South Africa, Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung und Naturfreunde Internationale) sowie weiteren Mitunterzeichnern weltweite verbindliche Regelungen für die Reduzierung der rasant anwachsenden Flugemissionen fordert. Durch ein globales Flugemissionsregime können zusätzliche Mittel für die Klimafinanzierung in Entwicklungsländern generiert werden, außerdem könnten Entwicklungsländer für wirtschaftliche Einbußen durch ein solches Klimaschutzsystem auch kompensiert werden. Die Tourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) müsse diese Option konstruktiv diskutieren, statt wie bisher die Verhandlungen über Flugemissionen zu blockieren. Tourismus dürfe in den Verhandlungsprozessen nicht undifferenziert als Mittel der Armutsbekämpfung hochstilisiert werden. Interessengruppen versuchten so, verbindliche Regulierungen im Flugverkehr zu verhindern.

Am Beispiel Südafrika zeigten die Podiumsteilnehmer, wie dringend eine Veränderung im internationalen Tourismus erforderlich ist. Myron Peter vom südafrikanischen Tourismusministerium bezeichnete den Nationalen Minimalstandard für verantwortungsvollen Tourismus (National Minimum Standard for Responsible Tourism) als Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels. “Wir wollen keine Gesetze, sondern einen Paradigmenwandel, daher ist der Standard freiwillig. Wir wollen, dass die Menschen von verantwortungsvollem Tourismus überzeugt sind und von selbst mittragen. Nur Überzeugung ändert das Verhalten“.

Der nach dem Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA) zertifizierte Tourismusunternehmer Paul Miedema (Calabash Tours and Calabash Trust) wies darauf hin, dass die ärmeren Gemeinden weiterhin kaum einen Zugang zum florierenden Tourismusmarkt in Südafrika haben. Deshalb müsse es schnell immer mehr Unternehmen geben, die sich den Kriterien der FTTSA verpflichtet fühlen.

Pastor Solomuzi Mabuza vom Ujamaa Centre for Community Development and Research in Südafrika forderte als Vertreter der Ecumenical Coalition On Tourism, dass den armen Menschen und Gemeinden die Effekte des Klimawandels verständlich erklärt werden. „Im Moment wird die technische und wissenschaftliche Sprache der Weltklimaverhandlungen nicht für die betroffenen armen Menschen so übersetzt, dass sie die Prozesse verstehen könnten. Hier könnten die Kirchen helfen, eine Lücke zu schließen!“, so der Theologe.

Luigi Cabrini, Leiter der Abteilung für nachhaltige Tourismusentwicklung der Welttourismusorganisation (UNWTO), sieht den Tourismus in der Verantwortung, Emissionen zu reduzieren. „Nachhaltige Investitionen wie in dem Tourismuskapitel des Green Economy Reports, welches die UNWTO gemeinsam mit der UNEP zusammengestellt hat, beschreiben, wie Investitionen in grünen und nachhaltigen Tourismus ein Mittel der Arbeitsplatzbeschaffung und Armutsbekämpfung leisten kann und dabei noch das Klima schützt.“

Aus dem kleinen aber hochinteressierten Publikum kam zum Abschluss die Bitte, diesen Dialog zu halten, und vor allem zu intensivieren. Sowohl Vertreter der NGOs, des Ministeriums als auch der UNWTO waren in diesem Punkt zustimmend einer Meinung. Denn unabhängig davon, welche Positionen die Podiumsdiskutanten vertraten, war doch allen bewusst, dass das Thema Tourismus weiterhin ein wichtiges Thema in den Verhandlungen bleiben wird.

Gemeinsame Pressemitteilung von Ecumenical Coalition On Tourism, Fair Trade in Tourism South Africa, Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung und Naturfreunde Internationale.

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